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Typ-1-Diabetes

Wenn kranke Jugendliche erwachsen werden

Nicht immer gelingt bei Jugendlichen mit Typ-1- Diabetes der Übergang zur Erwachsenenmedizin. Folgeerkrankungen können die Konsequenz sein. Das "Berliner TransitionsProgramm" will das ändern – und ist damit Vorlage für ein bundesweites Transitionskonzept.

Anne BäurleVon Anne Bäurle Veröffentlicht:
Diabetes ist in Deutschland die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter.

Diabetes ist in Deutschland die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter.

© Syda Productions / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Rund 30.000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren sind in Deutschland an Typ-1-Diabetes erkrankt. Werden sie erwachsen, haben sie mit mehr Problemen zu kämpfen als die meisten Gleichaltrigen: Neben tief greifenden Veränderungen wie Ausbildungsbeginn oder dem Auszug aus dem Elternhaus – die schon für gesunde Gleichaltrige schwierig sind – kommen bei jungen Menschen mit Typ-1-Diabetes die Suche nach neuen Ärzten, das Vereinbaren und Einhalten von Terminen und die geringere Betreuung und Fürsorge als beim Kinderarzt hinzu.

Risiko für Folgeerkrankungen steigt

"Einer Studie zufolge verlieren 40 Prozent der Patienten mit Typ-1-Diabetes nach dem Transfer in die Erwachsenenmedizin den Kontakt zur diabetologischen Betreuung", wird Dr. Silvia Müther, Leiterin des Diabeteszentrums für Kinder und Jugendliche an den DRK Kliniken Berlin, in einer Mitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft zitiert.

Damit steigt das Risiko für eine schlechte Blutzuckereinstellung nach der Transition deutlich an. So hätten jugendliche Typ-1-Diabetiker in einer Studie nach dem Transfer ein 2,5-fach erhöhtes Risiko für einen schlechteren Langzeitblutzuckerwert als Jugendliche, die noch pädiatrisch behandelt worden seien, erklärt Müther. Ein vermeidbares Risiko.

Ziel des "Berliner TransitionsProgramms" (BTP) ist es daher, den Übergang von der Kinder- zur Erwachsenenmedizin für chronisch Kranke zu strukturieren und zu begleiten.

Das BTP wurde im Jahr 2009 zunächst als Modellprojekt für an Diabetes Typ 1 oder Epilepsie erkrankte Kinder und Jugendliche von den DRK Kliniken Berlin und der Robert Bosch Stiftung entwickelt. Mittlerweile gibt es Nachfolgeprojekte für Jugendliche mit rheumatologischen, nephrologischen oder neuromuskulären Erkrankungen sowie chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Zentrales Fallmanagement

Im Mittelpunkt des BTP steht ein zentrales Fallmanagement, das den Transitionsprozess steuert und außerhalb der behandelnden Einrichtung lokalisiert ist. Speziell qualifizierte Mitarbeiter halten über den gesamten Projektzeitraum von zwei Jahren Kontakt mit dem Patienten, vermitteln Unterstützungsangebote – und binden auch die Krankenkassen ein. Denn das BTP wird als erstes derartiges Projekt von verschiedenen Krankenkassen finanziert und inzwischen bundesweit angeboten.

Ein weiteres wesentliches Element des Programms sind Transitionsgespräche zwischen Patient und Spezialisten. Sie finden vor und nach der Transition statt. In einer gemeinsamen Sprechstunde mit dem Patienten stimmen sich zudem Erwachsenen- und Jugendspezialist über die weiterführende ärztliche Betreuung ab. Gemeinsam soll der Patient so aus der Kinder- und Jugendmedizin in die Erwachsenenmedizin begleitet werden.

Eine Pressekonferenz zum Thema findet im Vorfeld der Diabetes Herbsttagung am Freitag, 11. November um 12.15 im NürnbergConvention Center statt.

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