Ärzte Zeitung online, 08.05.2017
 

Arztfehler

Reden ist für Therapien Gold – oft leider nur auf dem Papier

Im Gesundheitswesen wird immer noch zu wenig miteinander geredet, oft zum Schaden der Patienten, findet das Aktionsbündnis Patientensicherheit. Um dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, erarbeitet das APS Leitsätze, die Basis für eine gute Kommunikation sein sollen.

Von Julia Frisch

Reden ist für Therapien Gold – oft leider nur auf dem Papier

Kann der Patient den Ausführungen des Arztes wirklich folgen? Oftmals ist dies nicht der Fall – eine Quelle möglicher Fehler.

© Atkins / fotolia.com

FBERLIN. 80 Prozent der Zeit im Gesundheitswesen wird laut einer Studie für Kommunikation aufgewendet. Doch auch gut 80 Prozent der kritischen Fehler seien auf Defizite in der Kommunikation zurückzuführen, sagte Hardy Müller, Geschäftsführer des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS) am Freitag auf einer Pressekonferenz anlässlich der Jahrestagung des Aktionsbündnisses in Berlin.

Grund dafür sei, dass entweder gar nicht miteinander geredet werde, Gesagtes falsch verstanden oder interpretiert werde oder auch Patienten sich nicht trauten, beim Arzt nachzufragen. "Jeder ist verantwortlich", betonte APS-Vorsitzende Hedwig Francois-Kettner. Dafür sei freilich ein Kulturwandel und eine Änderung der "Geisteshaltung" nötig. Insbesondere müssten Führungskräfte sich endlich des Themas bewusst werden.

Die richtige Ansprache zählt

Dazu will das Aktionsbündnis Patientensicherheit beitragen, indem es zur Zeit Leitsätze erarbeitet. Bis zum Herbst sollen sie fertig und dann nicht nur für die rund 630 APS-Mitglieder verbindlich sein. Ziel ist es laut Francois-Kettner auch, Maßnahmen für eine gute Kommunikation im Gesundheitswesen mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Unter anderem wird sich in den Leitsätzen die Forderung des APS finden, Kommunikationstrainings zu festen Bestandteilen von Aus- und Weiterbildungen zu machen.

Wichtig sei, so APS-Geschäftsführer Hardy Müller, über Fehler zu reden. Das müsse gelernt werden, besonders zwischen den verschiedenen Berufsgruppen und über Hierarchieebenen hinweg. "Wie sage ich zum Beispiel einem Kollegen, dass er vergessen hat, seine Hände zu desinfizieren, ohne ihn zu verletzen.

Oder wie kann man Gesten nutzen, um auf riskante Handlungen hinzuweisen?", nannte Müller Beispiele. Hierarchien ließen sich durch Schulungen nicht sofort beseitigen, "aber sie sind ein Anfang, um Verbesserungen zu erreichen".

Wichtig sei es, schon bei den Medizinstudenten damit anzufangen, über Fehler zu sprechen, sagte Dr. Ruth Hecker, stellvertretende APS-Vorsitzende. In den vergangenen zehn Jahren sei etwa in den Kliniken zwar schon viel Positives geschehen. Aber das Bewusstsein, dass "Fehler jedem passieren können und dass man dazu stehen muss", müsse weiter geschärft werden.

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit beteiligt sich als Konsortialpartner an einem durch den Innovationsfonds geförderten Projekt, das ein Fehlermelde- und Lernsystem in der ambulanten Praxis etablieren will. In den nächsten drei Jahre wird das System namens "CIRSforte" entwickelt und in Praxen implementiert werden.

Preis für Patientensicherheit verliehen

Das APS hat im Rahmen seiner Veranstaltung auch wieder den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten "Deutschen Preis für Patientensicherheit" verliehen. Der erste Preis ging an die Uniklinik Heidelberg.

Dort verlassen unleserliche oder unvollständige Rezepte nicht mehr das Haus. Denn dort sorgt eine Qualitätssicherung, die unter anderem auf einer elektronischen Rezeptschreibesoftware basiert, dafür, dass Verordnungen formal korrekt ausgestellt werden.

Die weiteren Preise gingen an das Kinderpalliativzentrum der Vesti-schen Kinder- und Jugendklinik Datteln sowie an die Allgemeine, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der LMU München.

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