Ärzte Zeitung online, 24.04.2019

Karte des Monats

Der Unterschied zwischen Peripherie und Kernbereich

Die Bevölkerungsentwicklung vor Ort ist für die langfristige Positionierung von Praxen entscheidend. Genau hinzuschauen lohnt sich auch für Hausärzte, wie unsere aktuelle Karte des Monats zeigt.

Von Hauke Gerlof

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SCHRAMBERG. Der Trend ist eindeutig: Die großen Städte und Ballungsräume in Deutschland wirken derzeit wie Magneten. Berlin wächst jedes Jahr um mehr als 20.000 Einwohner, Frankfurts Bevölkerung geht ebenfalls jährlich deutlich fünfstellig nach oben. Und das sind nur zwei von vielen wachsenden Großstädten in Deutschland.

Auf dem Land dagegen droht manchen kleineren Dörfern auf lange Sicht sogar ganz das Aus, weil die Infrastruktur für immer weniger Einwohner einfach zu teuer werden könnte. Regionale Daten zur Bevölkerungsentwicklung sind auch für Hausärzte wichtig, zum Beispiel wenn sie vor der Niederlassung stehen oder auch für eine langfristige Positionierung.

So hat die von vielen bevorzugte Niederlassung in Ballungsräumen durchaus auch eine ökonomische Rationale: Wenn die Bevölkerung wächst, wächst auch die Nachfrage nach ärztlichen Leistungen.

Wie sind die Bedarfsperspektiven im Jahr 2030?

Ganz genau hinschauen können Ärzte in der Karte des Monats. Die von Rebmann Research unseren Lesern bereitgestellte Karte bildet die Bedarfsperspektiven 2030 ab. Dabei sind die Regionen „grün“ markiert, in denen bis zum Jahr 2030 eine hohe Nachfrage nach hausärztlichen Leistungen zu erwarten ist. Der ermittelte Wert zeigt die Nachfrage-Abweichung des Mittelbereichs zum Durchschnitt der jeweiligen KV.

Die Karte stützt sich einerseits auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der Bertelsmann Stiftung bis 2030. Je positiver sich die Bevölkerung einer Region entwickelt, desto größer ist die Nachfrage nach hausärztlichen Leistungen. Als zweites Kriterium bewertet die Karte die Altersstruktur der Bevölkerung (Quelle: GfK GeoMarketing).

Je größer der Anteil der 40- bis 65-Jährigen sowie der 70- bis 85-Jährigen in einem Mittelbereich im Jahr 2030 ist, umso höher ist die zu erwartende Nachfrage nach hausärztlichen Leistungen. Ein Großteil der in Hausarztpraxen abgerechneten Fälle entfällt auf diese beiden Altersgruppen.

Nicht in die Bewertung eingeflossen ist die Anzahl der Hausärzte der Regionen. Hierfür hilft ein Blick in der Karte des Monats im Januar: Da ging es um die Konkurrenzsituation in den Mittelbereichen – das heißt, um die Angebotsstruktur.

Große Unterschiede innerhalb der Länder

Wie stark sich die Entwicklung der Bedarfsperspektiven innerhalb einer KV unterscheiden können, zeigt unter anderem die erwartete Entwicklung in Sachsen: In Görlitz weicht diese beispielsweise um sieben Prozent vom Durchschnitt im Bundesland nach unten ab. In Dresden dagegen wird ein Plus von sechs Prozent erwartet.

Ähnlich sehen die Perspektiven in vielen ländlich geprägten Bundesländern aus. Beispiel Brandenburg: In Perleberg-Wittenberge im Nordwesten des Landes etwa wird ein Minus von acht Prozent, in Potsdam dagegen ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zum Durchschnitt erwartet. In Nordrhein wird in Köln ein Plus von sechs Prozent, im nahen Gummersbach ein Minus von vier Prozent erwartet.

Welchen Schluss können zum Beispiel Landärzte aus dieser erwarteten Entwicklung ziehen? Da in vielen Regionen die Anzahl der Hausärzte noch schneller abnimmt als die Zahl der Einwohner, dürfte der Bedarf auf absehbare Zeit das Angebot überschreiten. Aber es lohnt sich, für die eigene Region genau hinzuschauen.

Zudem ändern sich an vielen Stellen auf dem Land die Angebotsstrukturen: Große Hausarztpraxen mit mehreren Partnern und angestellten Ärzten, die Zweigpraxen in umliegenden Gemeinden aufbauen, könnten in Zukunft das Bild bestimmen. Das könnte für Landarztpraxen in Zukunft ein Weg sein, bei sinkendem Bedarf für den nötigen Zulauf zu sorgen – und gleichzeitig helfen, junge Hausärzte an die Niederlassung heranzuführen.

Die Karte des Monats ist eine Initiative von „Ärzte Zeitung“ Springer Medizin und dem Datendienstleister Rebmann Research, der die Daten bereitstellt.

Die Karte des Monats im Internet: www.aerztezeitung.de/extras/karte_des_monats

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