Ärzte Zeitung, 30.04.2010

Chefarzt heute: Manager und Kommunikator

Junge Ärzte, die den Chefarzt-Posten einer Klinik anstreben, müssen sich viele Fragen stellen. Zum Beispiel: Sind sie Manager und Kommunikator genug für den Job?

Von Ina Harloff

BERLIN. Das Tätigkeitsfeld eines Chefarztes habe sich im Vergleich zu früher maßgeblich geändert. Auch das Einkommen sei geringer geworden, obwohl Chefärzte immer noch gut verdienten. Das sagte Dr. Magdalena Benemann, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Marburger Bundes (MB), vor Medizinstudenten und jungen Medizinern auf der DocSteps2010. Wer eine solche Position anstrebe, müsse sich darüber im Klaren sein und genau überlegen, ob dies für ihn wirklich in Frage komme.

So würden Chefärzte heute zunehmend in das ökonomische Geschehen mit einbezogen. "Der Anteil ihrer eigenen Fachtätigkeit ist zurückgeschraubt zugunsten von Management- und Führungsaufgaben", so Benemann. Auch müssten Ärzte in dieser leitenden Position zunehmend Kommunikatoren ihrer Klinik und Marketingstrategen sein. "Chefärzte sind Leitfiguren und Repräsentationsträger ihrer Klinik. Sie gestalten unternehmerische Entscheidungen mit", sagt Benemann. Bei der Weiterentwicklung ihrer Abteilung müssten sie darum zuvorderst auch immer das Gesamtkonzept des Hauses berücksichtigen.

Entschieden sich Ärzte dennoch oder vielleicht gerade aufgrund dieses Anforderungsprofils für die Bewerbung um eine solche Führungsposition, müssten sie sich auf einen sehr wettbewerbsorientierten Arbeitsmarkt einstellen. "Auf eine Position kommen hier in der Regel 30 bis 40 sehr qualifizierte Bewerber, die zumindest formal die gleichen Voraussetzungen erfüllen", so Benemann. Dann komme es auf eine erstklassige Bewerbung an.

Wolfgang Ihrk, Personal- und Unternehmensberater, gab dazu einige Tipps. Ein "Sehr geehrter Herr Kollege" in der Anrede des Bewerbungsanschreibens sei zum Beispiel absolutes Tabu. Bei der Unterschrift sollte der eigene Doktortitel ausgespart werden. Die Kleidung könne gar nicht dezent und klassisch genug sein. "Tiefe Ausschnitte bei den Damen oder Ohrringe bei den Männern gehören da nicht dazu", so Ihrk.

Das Wichtigste sei, sich im Vorfeld gründlich über Stelle und Klinik zu informieren. Der Bewerber müsse sich sicher sein, dass er zu der Stelle und die Stelle zu ihm passe. Verheerend sei es, sich im letzten Moment umzuentscheiden. "So etwas spricht sich rum", warnt Ihrk. Ein Imageschaden an der eigenen Person sei nur schwer wieder auszubügeln.

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