Ärzte Zeitung, 24.05.2011

MFA-Azubi in Teilzeit? Im Norden kein Problem

Neun Arztpraxen in Schleswig-Holstein bilden derzeit junge Mütter in Teilzeit zur Medizinischen Fachangestellten (MFA) aus. Die Erfahrungen sind bisher durchweg positiv.

Von Dirk Schnack

MFA-Azubi in Teilzeit? Im Norden kein Problem

Kind und Ausbildung? In Schlewig-Holstein können geeignete Bewerberinnen eine Teilzeit-Ausbildung zur MFA absolvieren.

© Meddy Popcorn / fotolia.com

AHRENSBURG. Sara Navarro (24) ist Mutter von zwei kleinen Kindern und im ersten Lehrjahr zur Medizinischen Fachangestellten (MFA). Um jeden Nachmittag für ihre Kinder da sein zu können, hat sie ihre wöchentliche Arbeitszeit auf 30 Stunden reduziert.

Möglich macht dies das Projekt Teilzeit-Ausbildung, an dem sich außer den Industrie- und Handelskammern unter anderem auch die Ärztekammer Schleswig-Holstein beteiligt.

Für die Auszubildenden sind zwei Modelle möglich: Wenn die wöchentliche Arbeitszeit 30 Stunden beträgt, wird die Ausbildung nicht verlängert und die Prüfung kann nach drei Jahren abgelegt werden. Wenn die wöchentliche Arbeitszeit auf 25 Stunden reduziert wird, verlängert sich die Ausbildungsdauer um ein Jahr auf vier Jahre. Bislang haben alle Auszubildenden in Teilzeit einen Vertrag über 30 Stunden abgeschlossen.

Derzeit sind neun MFA-Anwärterinnen aus Schleswig-Holstein in Teilzeit tätig. Navarro hatte gezielt nach einer solchen Möglichkeit gesucht und sich bei verschiedenen Kammern informiert. In der Gemeinschaftspraxis von Dr. Sabine und Dr. Bernd Thorade in Ahrensburg überzeugte sie die Praxischefs.

"Sie ist extrem wissensdurstig, intelligent, motiviert und ehrgeizig", beschreibt die praktische Ärztin Thorade ihre jüngste Mitarbeiterin. Damit waren für sie alle persönlichen Voraussetzungen erfüllt, um die Ausbildung auch in Teilzeit zu absolvieren.

Einen finanziellen Nachteil haben die Ausbildungsbetriebe durch die geringere Präsenz in den Praxen nicht. Die Ausbildungsvergütung wird anteilig auf 78 Prozent gekürzt. Die Praxen zahlen damit im ersten Jahr 437 statt 561 Euro, im zweiten 470 statt 602 Euro und 504 statt 646 Euro im dritten Jahr.

Die Auszubildenden können die Differenz über öffentliche Fördergelder ausgleichen. Gut geeignet ist die Teilzeitausbildung etwa für Praxen, deren Umfang an Sprechstundenzeiten gering ist.

Teilzeit ist für Auszubildende aber nur möglich, wenn diese nachweisen können, dass sie sich um eigene Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern müssen. Monika Schernus, bei der IHK Lübeck für die Teilzeit-Ausbildung zuständig, muss bei den Ausbildungsbetrieben oft noch Vorbehalte ausräumen.

Die Arbeitgeber fragen sich etwa, wie die Auszubildenden mögliche Lücken im Krankheitsfall ihrer Kinder schließen oder ob sie in der kürzeren Arbeitszeit wirklich alle Lerninhalte bewältigen können. "Die bisherigen Resultate der Teilzeit-Auszubildenden zeigen, dass dies leistbar ist", sagte Schernus gegenüber der "Ärzte Zeitung".

Die Auswertung einer Umfrage zum Projekt unter den teilnehmenden Arztpraxen im Nordenergab, dass die Arbeitgeber sich von einer Teilzeit-Ausbildung überzeugen lassen, wenn die Bewerberinnen motiviert auftreten. Auch die Bereitschaft, familienfreundliche Maßnahmen umzusetzen, spiele eine große Rolle.

Die Fehlzeiten sind nicht höher als bei anderen Auszubildenden. Der Verlauf der Ausbildung wird von den Chefs überwiegend positiv eingeschätzt.

Dennoch gilt: "Für die Teilzeit-Ausbildung ist nicht jeder geeignet. Sie müssen gut organisiert sein, um den privaten und beruflichen Anforderungen gerecht zu werden", sagt Volker Warneke, Bildungsreferent der Ärztekammer Schleswig-Holstein.

Seiner Erfahrung nach sind die Bewerberinnen motiviert, weil sie sich und ihren Kindern eine Zukunft sichern wollen. "Durch die Lebenserfahrung bereits in jungen Jahren sind die Bewerberinnen häufig reifer und somit auf den Umgang mit Patienten besser vorbereitet."

Auf Navarro scheint dies zuzutreffen. Obwohl sie in Teilzeit ausgebildet wird, strebt die junge Frau auch noch eine Verkürzung an. Die bisherigen Berufsschulnoten sprechen dafür. Auch ihre Chefin Dr. Sabine Thorade ist überzeugt: "Sie schafft das mit links."

www.teilzeit-ausbildung.de

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