Ärzte Zeitung, 30.01.2012

HIV-Infizierter durfte entlassen werden

BERLIN (mwo). Pharmahersteller müssen HIV-infizierte Arbeitnehmer in der Arzneimittelherstellung nicht weiter beschäftigen.

Eine generelle Entscheidung des Unternehmens, in den sicherheitsrelevanten Fertigungsbereichen keine erkrankten Arbeitnehmer einzusetzen, ist nicht zu beanstanden, urteilte das Landesarbeitsgericht (LAG) Berlin-Brandenburg in Berlin. Konkret bestätigte das LAG damit eine Kündigung während der Probezeit.

Der klagende Arbeitnehmer war als chemisch-technischer Assistent im "Reinbereich" bei der Herstellung von Medikamenten beschäftigt. Der Arbeitgeber hatte sich allerdings die Regel gesetzt, dort Mitarbeiter mit Erkrankungen jedweder Art nicht zu beschäftigen.

Als das Unternehmen von seiner HIV-Infektion erfuhr, kündigte es noch während der Probezeit. Der Arbeitnehmer sah darin aber eine unzulässige Diskriminierung.

Kein Verstoß gegen das AGG

Doch das LAG wies nun die Kündigungsschutzklage ab. Die generelle Sicherheitsregel des Pharmaherstellers sei zulässig.

Die Kündigung sei daher nicht willkürlich, ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz liege nicht vor. Auch eine Diskriminierungsentschädigung scheide daher aus.

Weil es sich im konkreten Fall um eine Kündigung während der Probezeit handelte, musste das Pharmaunternehmen nach dem Berliner Urteil auch nicht die eigenen Belange gegen die des Arbeitnehmers abwägen und beispielsweise eine Versetzung in weniger sicherheitsrelevante Bereiche prüfen.

Gegen das Urteil ließ das LAG jedoch die Revision zum Bundesarbeitsgericht in Erfurt zu.

Az.: 6 Sa 2159/11

Topics
Schlagworte
Personalführung (3019)
Recht (12514)
Krankheiten
AIDS (3358)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Sport nach Infarkt kann Leben retten

Wer nach einem Herzinfarkt sportlich aktiv wird oder bleibt, sorgt dafür, dass seine Überlebenschance sich deutlich erhöht, so eine Studie frisch von der EuroPrevent 2018. mehr »

TK-Versicherte erhalten E-Akte

Die Techniker Krankenkasse hat mit TK-Safe ihre bundesweite elektronische Gesundheitsakte vorgestellt. Patientenschützer und die Verbraucherzentralen pochen auf hohe einheitliche Standards. mehr »

Diese Keime machen Kliniken zu schaffen

Klinikpatienten haben einer Umfrage zufolge die größte Sorge, mit einem multiresistenten Keim infiziert zu werden. Häufig eine mediale Dramatisierung, findet ein Hygieneexperte. Einige Erreger bereiten aber Kopfzerbrechen. mehr »