Ärzte Zeitung online, 27.11.2013

Datenreport 2013

Mehr Beschäftigung, weniger Arbeitsstunden

Das Statistische Bundesamt hat den aktuellen Datenreport zu Sozial- und Erwerbszahlen vorgelegt. Darin zeigt sich: Die Beschäftigung in Deutschland boomt. Trotzdem werden weniger Arbeitsstunden als vor gut 20 Jahren geleistet.

NEU-ISENBURG. Im Jahr 2012 gab es in Deutschland rund 43,9 Millionen Erwerbspersonen, von denen 41,6 Millionen auch tatsächlich in Lohn und Brot standen. Damit gab es so viele Erwerbstätige wie noch nie.

Zum Vergleich: 1991 lag die Zahl der Erwerbstätigen noch bei 38,77 Millionen, 2005 bei 38,87 Millionen. Dennoch hat die Zahl der Arbeitsstunden, die jeder Erwerbstätige durchschnittlich leistet, in den letzten 20 Jahren kontinuierlich abgenommen.

Das zeigt der "Datenreport 2013. Ein Sozialbericht für Deutschland". Der Report ist ein Gemeinschaftsprojekt des Statistischen Bundesamtes (Destatis), des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Statistiker und Sozialforscher haben darin Zahlen und Befunde zu wichtigen Lebensbereichen zusammengestellt.

Und ein äußerst spannendes Ergebnis ist dabei eben, dass sich die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden gegenläufig zur Zahl der Erwerbstätigen bewegt. Denn im Schnitt ist die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigem und Arbeitsjahr von 1991 bis 2012 um zehn Prozent gesunken.

Leisteten Erwerbstätige 1991 noch durchschnittlich 1552 Stunden pro Jahr, waren es 2012 nur noch 1393,3 Stunden pro Jahr. Der niedrigste Wert wurde dabei im Krisenjahr 2009 mit 1381,8 Stunden pro Jahr erreicht, 2010 legten sie wieder auf 1404,5 Stunden pro Jahr zu. Mit Ausnahme dieser kleinen Delle sind die Arbeitsstunden allerdings nahezu kontinuierlich gesunken.

Die Erklärung der Statistiker und Sozialforscher: Immer mehr Menschen arbeiten gewollt oder ungewollt in Teilzeit oder einem anderen atypischen Beschäftigungsverhältnis. Dieses Schicksal traf 2012 mehr als jeden fünften Erwerbstätigen (fast 22 Prozent).

Besonders Frauen waren davon betroffen (33 Prozent). Dabei hatten von den insgesamt 7,9 Millionen atypisch Beschäftigten 2,7 Millionen einen befristeten Vertrag, 5,0 Millionen arbeiteten in Teilzeit, 2,5 Millionen zählten zu den geringfügig Beschäftigten und 0,7 Millionen arbeiteten als Leiharbeiter.

Weg von der Frühverrentung

Interessant ist aber auch, dass immer mehr ältere Personen einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Waren im Jahr 2002 gerade einmal 25,1 Prozent der 60- bis 64-Jährigen und 5,6 Prozent der 65- bis 69-Jährigen erwerbstätig, zeigt sich 2012 ein komplett anderes Bild.

Fast jeder zweite 60- bis 64-Jährige - genauer 49,6 Prozent - und 11,2 Prozent der 65- bis 69-Jährigen waren aktiv im Arbeitsmarkt tätig.

Dennoch umfasste 2012 das Potenzial ungenutzter Arbeitskräfte als Summe der Erwerbslosen, Unterbeschäftigten und der stillen Reserven (Personen, die gerne arbeiten möchten, aber aus verschiedenen Gründen derzeit nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen) 6,8 Millionen Personen.

Innerhalb des Dienstleistungsbereichs kam 2012 übrigens den Wirtschaftsbereichen Öffentliche Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit mit 9,7 Millionen Erwerbstätigen die größte Bedeutung zu. Und bei den Frauen zählte zu den zehn am stärksten besetzten Berufsgruppen auch das große Feld der Arzt- und Praxishilfe.

Mit 633.000 Erwerbstätigen kam dieses Berufsfeld bei den Frauen auf Rang acht. Überholt wurden die Praxen als Arbeitgeber von Stellen in Krankenpflege, Gesundheitswesen, Rettungsdienst und Geburtshilfe mit insgesamt 854.000 erwerbstätigen Frauen (Rang sechs).

Die Tarifverdienste sind laut dem Datenreport in Deutschland in 2012 im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 3,0 Prozent gestiegen. Relativ gute Abschlüsse haben die chemische Industrie mit 4,5 Prozent und die Metall- und Elektroindustrie mit 4,3 Prozent erzielt.

Für die Medizinischen Fachangestellten und auch für Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Kliniken machten die Statistiker hingegen eine "niedrigere" Tariferhöhung mit jeweils durchschnittlich 2,9 Prozent aus.

Der Bruttostundenverdienst im Gesundheits- und Sozialwesen lag 2012 bei im Schnitt 19,48 Euro, der Bruttomonatsverdienst bei einer 39,5-Stundenwoche bei 3339 Euro. (reh)

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