Ärzte Zeitung, 02.05.2008

Fördermaximum ist für Ärzte zu gering

"Finanztest"-Vergleich zur Rürup-Rente / Steuervorteil wird großteils für Beiträge zum Versorgungswerk verbraucht

KÖLN (frk). Versicherungsvertreter möchten am liebsten jedem niedergelassenen Arzt eine Rürup-Rente verkaufen. Doch Experten raten zur Vorsicht. Die Anschaffung einer solchen Police lohnt sich nicht für jeden Mediziner. Wenn sich Ärzte für eine Rürup-Rente entscheiden, sollten sie sich nicht nur von Rankings leiten lassen.

 fördermaximum ist für ärzte zu gering

Sollten Ärzten ihr Geld für die Altersvorsorge in eine Rürup-Rente stecken? Darüber gehen die Meinungen sehr auseinander.

Foto: Klaro

Die Rürup-Rente, auch Basis-Rente genannt, ist in erster Linie für Selbstständige gedacht. Sie können einen jährlich wachsenden Anteil der Einzahlungen von der Steuer absetzen. In diesem Jahr sind es 66 Prozent. Das kann bei der maximalen steuerlich geförderten Einzahlungshöhe von 20 000 Euro im Jahr bis zu 6000 Euro Steuerersparnis bringen.

"Dieser Vorteil ist deutlich größer als der Nachteil, dass man die Rürup-Rente im Alter anteilig versteuern muss", erklärt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von "Finanztest". Die Zeitschrift hat 38 klassische Rürup-Rentenversicherungen untersucht, darunter auch die Policen der Deutschen Ärzteversicherung. Sie hat die Testnote "befriedigend" erhalten. Der 40-jährige männliche Modellkunde von Finanztest, der jährlich 6000 Euro einzahlt und mit 65 Jahren in Rente gehen will, erhält bei der Deutschen Ärzteversicherung eine monatliche garantierte Rente von 778 Euro. Damit liegt das Unternehmen im Mittelfeld.

Differenz bei der Leistung kann bis zu 70 000 Euro betragen

Sieger des Tests ist der Direktversicherer CosmosDirekt. Dort erhält Herr Mustermann eine monatliche garantierte Rente von 821 Euro. Bei der Barmenia gibt es laut Test bei gleicher Einzahlleistung nur 722 Euro im Monat. Hochgerechnet auf 25 Jahre Rentenbezug kommen so fast 30 000 Euro an Differenz zwischen den beiden Angeboten zustande. Mögliche Überschussbeteiligungen mit eingerechnet, beträgt der Unterschied sogar 70 000 Euro.

Der Vorstandsvorsitzende der Barmenia, Josef Beutelmann, glaubt, dass die unterschiedliche Berechnung des Eintrittsalters bei den Versicherern zumindest einen Teil der Renditedifferenz erklärt. Bei vielen Anbietern sei der Modellkunde bereits 41 Jahre alt, bei der Barmenia geht er dagegen mit seinem wirklichen Lebensalter von 40 Jahren in die Bücher ein. Er hat damit statistisch betrachtet eine längere Lebenserwartung und bekommt weniger Rente. Würde die Barmenia auch mit einem Eintrittsalter von 41 Jahren kalkulieren, wäre die monatliche garantierte Rente um fast 20 Euro höher, erklärt Beutelmann.

Die Deutsche Ärzteversicherung wäre besser weggekommen, wenn "Finanztest" auch fondsgebundene Versicherungen unter die Lupe genommen hätte, meint Sprecher Karl-Heinz Silbernagel. Doch auch dann wäre es dem Anbieter wahrscheinlich nicht gelungen, sich gegen CosmosDirekt & Co. durchzusetzen. "Durch den Vertrieb per Telefon und Internet haben die Direktversicherer einen riesigen Kostenvorteil", sagt Silbernagel. Die Ärzteversicherung könne aber mit qualifizierter Beratung punkten.

Es fehlt die Prüfung, ob die Vorsorgeform zum Kunden passt

Versicherungsberater Andreas Rebhan aus Kevelaer rät Interessierten, bei jeder Art von Anbieter Vorsicht walten zu lassen, wenn es um Rürup geht. "Ob eine Basis-Rente für den Kunden wirklich sinnvoll ist, prüft häufig weder der Direktversicherer noch der Versicherer mit Vertrieb ausreichend", sagt er.

Die hohe Steuerersparnis können die Sparer nicht immer realisieren. So müssen niedergelassene Ärzte ihre Beiträge für das berufsständische Versorgungswerk von dem steuerlich geförderten Höchstbeitrag von 20 000 Euro abziehen. Die Deutsche Ärzteversicherung glaubt, dass sich die Investition in eine Rürup-Rente trotzdem lohnt, unabhängig davon, welcher Betrag nach der Anrechnung noch übrig bleibt.

Rürup-Kapital kann nicht im Krisenfall eingesetzt werden

Rebhan empfiehlt, auf jeden Fall einen Steuerberater zu konsultieren. "Erst dann kann gesagt werden, ob die Rürup-Variante tatsächlich aufgrund der steuerlichen Behandlung Rendite-Vorteile bringt oder ob man aufgrund seiner finanziellen Situation lieber zu Alternativen greift, die flexibler sind", sagt er.

Seiner Meinung nach wird die Rürup-Rente dem beruflichen Auf und Ab ihrer Zielgruppe nicht gerecht. Der Kunde kann die Versicherung im Krisenfall zum Beispiel nicht zu Geld machen. Das bei Rürup angesparte Kapital soll nur der Altersvorsorge dienen und ist laut Gesetz weder kapitalisierbar noch beleihbar, übertragbar oder vererbbar.

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