Ärzte Zeitung, 21.08.2008
 

Praxismanagement

Macht Laborreform Hausärzte zu Gewinnern?

Es ist wieder so weit. Es wird reformiert. Dieses Mal, noch vor dem Euro-EBM, ist das Labor an der Reihe. Ein Blick in die Buchführung 2007 hilft zu erkennen, was die Änderungen für die Praxis bringen werden. Von Bernd W. Alles

"Köhler: Hausärzte profitieren von der Laborreform". So titelte die "Ärzte Zeitung". Was sind aber die Fakten? Doc Sedi Ment hat für sich selbst recherchiert, Soll und Haben verglichen mit Hilfe der eigenen Buchführung, die für eine Praxis unerlässlich ist.

Denn um kurzfristig wichtige unternehmerische Entscheidungen treffen zu können, bedarf es einfach eines "Management-Informations-Systems". Das ist am einfachsten zu schaffen, wenn man die Buchführung in die eigenen Hände legt. Sprich: Alle Rechnungen und/oder Verbindlichkeiten selbst verbucht.

Das geht einfach mit gängigen EDV-Programmen, zum Beispiel mit "Quick Books", aber auch mit anderen. Verbucht man Zahlungseingänge und Zahlungen zeitnahe mit einem solchen Buchführungsprogramm, hat man jederzeit eine Übersicht über seine Kontostände, aber auch über seine Kosten und Erträge.

Aufgeschreckt durch neue Reformpläne der "Kassenärztlichen Besoldungs-Versuchsanstalt" (KBV) geht Sedi Ment in sich. Will wissen, wie sich das ab Oktober geltende Reformwerk auf ihn auswirken kann. Er zieht sich am dienstfreien Wochenende zurück und ermittelt.

Kosten werden schon jetzt nicht voll erstattet

Reduziert auf das Wesentliche sind es die Erträge der Kostenerstattung für Laborleistungen minus dafür direkt angefallene Kosten. Die Daten liegen für 2007 vor. Die KV-Abrechnung weist für "Kostenerstattung Labor" einen Betrag von rund 3941 Euro für das gesamte Jahr 2007 aus. Lustig (oder auch nicht) dabei ist, dass die Kostenerstattung (hier Beispiel KV-Hessen) nicht zu 100 Prozent, sondern nur zu einem niedrigeren Kostensatz erstattet wird.

Das Geld reicht offenbar nicht aus, um die festgelegten Kostenerstattungssätze nach EBM hundertprozentig zu befriedigen. Aber das nur am Rande, handelt es sich schließlich um Gewohntes, dass es deutlich weniger gibt (zur Erinnerung: 5,11 Cent pro Punkt waren vereinbart).

Der Kostenerstattung gegenüber stehen im gleichen Zeitraum 2186 Euro Kosten für die Laborgemeinschaft, der Sedi Ment angehört. Der "Gewinn", für Kaufleute als Deckungsbeitrag bezeichnet, beträgt also 1755 Euro (3941 - 2186 Euro). In der gleichen Periode wurden Verbrauchsmaterialien in Höhe von etwa 457 Euro (Kanülen, Blutentnahmebehältnisse) für die Laboruntersuchungen benötigt. Der Deckungsbeitrag - nach Abzug dieser Kosten - beträgt also 1298 Euro.

Und genau um diese Summe geht es bei Sedi Ment, wenn er das Kalkül auf die Abrechnungsquartale Oktober 2008 ff. fokussiert. Klar, es handelt sich um keine Riesensumme. Besonders, weil sie auf ein Jahr bezogen ist. Aber die deutlich spürbare Inflation (vor allem bei den Energiekosten - wo bleibt die Anhebung der Kilometerpauschalen im EBM?) geht natürlich auch nicht an Praxisinhabern vorbei. Da ist jeder Ertragseuro wichtig.

Nun ist das natürlich ein Rechenbeispiel von Doc Sedi Ment nicht repräsentativ für die gesamten Allgemeinmediziner. Jeder von ihnen ist aufgerufen, diese Rechnung für seine eigenen Praxis aufzumachen. Mal sehen, ob die Prognose von KBV-Chef Köhler eintrifft, dass die Hausärzte Gewinner dieser Reform sein werden. Der 1. Oktober naht.

Was er pekuniär in Sachen Laborleistungen bringt, erfahren wir leider erst ab Mai 2009. Dann müsste auch schon die nächste Reform, der "Euro-EBM" mit seinen erneuten Unwägbarkeiten stattgefunden haben. Was macht der Arzt als Praxismanager in der Zwischenzeit? Na klar, was sonst: Kosten minimieren.

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