Ärzte Zeitung, 08.09.2009

Beckmann gegen "Bild": Der korrupte Arzt - oder doch der liebevolle Kümmerer?

Größer könnte der Gegensatz der Arztbilder in den Medien kaum sein: Am Montagabend lobte der Sänger Reinhard Mey bei "Beckmann" in der ARD Ärzte und Pfleger, die sich um seinen Sohn im Wachkoma kümmern, in den höchsten Tönen. Am nächsten Morgen stand in der "Bild" die große Geschichte zu den Methoden der "Medizin-Mafia".

Beckmann gegen "Bild": Der korrupte Arzt - oder doch der liebevolle Kümmerer?

Aufopferungsvoll oder nur am Geld interessiert? Das Ärzte-Bild in den Medien könnte widersprüchlicher kaum sein.

Foto: Alexander Raths©www.fotolia.de

Talkshow im "Ersten" bei Beckmann: Der bekannte deutsche Sänger Reinhard Mey berichtet vor laufender Kamera erstmals über seinen 27-jährigen Sohn, der seit März nach kurzer schwerer Krankheit im Wachkoma liegt. Er beschreibt, wie die Familie reagiert hat, wie plötzlich der Alltag ganz anders wird als bisher - und er stimmt ein Loblied auf die behandelnden Ärzte und Pfleger an. Mey, der auch durch viele ironische Liedtexte bekannt geworden ist, wörtlich: "Wenn ich jemals etwas Ironisches, Satirisches über Ärzte gesagt habe, dann soll mir das Wort im Mund stecken bleiben."

In allen Kliniken und Reha-Einrichtungen habe man seinen Sohn "so wunderbar behandelt", sich "so liebevoll um ihn gekümmert", erläutert Mey. "Niemand hat da Routine walten lassen." Er bedanke sich "in aller Demut" bei Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern. Diesen Menschen "gebühre ein Denkmal, nach ihnen müssten Straßen und Plätze benannt werden". Der Arzt also als liebevoller Kümmerer, so wie es sich jeder Patient erhofft, der auf einen Arzt angewiesen ist.

Noch während der Sendung in der ARD laufen für die "Bild"-Zeitung die Druckerpressen heiß. Eine der größten Geschichten im Blatt am Dienstag: "So kassiert die Medizin-Mafia ab" - der Start einer neuen Serie im Boulevard-Blatt. Vorgestellt wird die "Chefermittlerin" der Kaufmännischen Krankenkasse und Buchautorin Dina Michels. Sie erläutert "die miesen Tricks der Ärzte", in der kommenden Folge werden die Apotheker an der Reihe sein.

Zwei Beiträge in unterschiedlichen Medien, zwei unterschiedliche Arztbilder, mit denen Zuschauer und Leser konfrontiert worden sind. Die Debatte um Zuweiserprämien hat das Bild der Ärzte, die vor allem nach wirtschaftlichen Anreizen handeln oder nicht handeln, wieder schärfer werden lassen. Die Realität in Praxen und Kliniken sieht oft ganz anders aus. Es ist gut, dass auch dieses Arztbild in den Medien nicht ganz in Vergessenheit gerät. 

von Hauke Gerlof

Lesen Sie dazu auch:
Studie: Verhältnis Arzt und Patient ist "intakt"

[09.09.2009, 17:59:36]
Heinz Dommaschk 
Zu " Beckmann gegen 'Bild' "
Ja, Prommi müßte man sein wie Herr May oder Politiker oder Millionär; ebend zur Uperclass gehören, dann geht alles. Meine Frau haben sie nach einer Lungenoperation in 1998 in elf Jahren fehldiagnostisch und medikamentös zu Tode therapiert. Gleichgültig und interessenlos wurde sie in 37 KH-Behandlungen und unzähligen Arztkonsultationen zu einem menschlichen Wrack "therapiert". Der Gipfel und letztlich Ursache ihres Todes- Herzversagen durch Kammerflimmern- beruhte wiederum auf Fehlleistungen von Ärzten. Kein Kardiologe hielt es bei langjährig bekannten Risikofaktoren, nämlich VHF, TAA und Insuffizienz für notwendig ihr einen "Defi" zu verordnen. Ich habe jegliches Vertrauen in die Ärzteschaft verloren zumal mir in 2002 fast ein ähnliches Schicksal ereilte. zum Beitrag »

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