Im Mittelpunkt stehen die (Schmerz-)Patienten

Dr. Siegfried Spernau ist Allgemeinarzt und Schmerzspezialist. Nicht nur mit seinem Schmerzmanagement überzeugt er Patienten. Sie haben den Neu-Isenburger Niedergelassenen zum Hausarzt des Jahres gewählt.

Von Monika Peichl Veröffentlicht:

Was macht einen guten Hausarzt aus? "Die Patienten reden lassen und ihnen richtig zuhören", sagt Dr. Siegfried Spernau, Allgemeinarzt in Neu-Isenburg. Was die Patienten erzählten, sei wichtiger als ganze Stapel von Befunden.

Spernau ist der erste Preisträger des "Hippokrates Award", den das Gesundheitsportal imedo.de ausgeschrieben hat. Patienten wurden in verschiedenen Medien dazu aufgerufen, ihre Hausärzte in sieben Kategorien zu bewerten: Terminverfügbarkeit, Pünktlichkeit, Mitarbeiter, Zwischenmenschlichkeit, Leistungen, Privatsphäre, Praxisausstattung.

Termine werden in der Praxis nicht vergeben

Anders als von Praxisberatern meist empfohlen, werden in Spernaus Praxis keine Termine vergeben. "Wenn Sie einen Schmerzpatienten sechs Wochen auf einen Termin warten lassen, machen Sie ihn zum Chroniker", sagt er. Der Hausarzt, Jahrgang 1942, hat sich als Schmerztherapeut einen Namen gemacht. Die Weiterbildung zum Orthopäden am Universitätsklinikum Frankfurt am Main brach er seinerzeit nach drei Jahren ab, weil er nicht operativ, sondern konservativ und "schmerzorientiert" behandeln wollte.

Er hat einen eigenen Ansatz der präventiven Schmerztherapie entwickelt, bei dem es darauf ankommt, primäre "Störfelder" im Bewegungsapparat aufzuspüren. Offenbar mit guten Erfolgen: Manche Patienten nehmen eine weite Anreise in Kauf, um sich von ihm behandeln zu lassen, zum Beispiel ein Lehrer aus dem Raum Bremen. Er hatte zufällig durch einen Bauarbeiter von Spernau erfahren, fuhr hin und kehrte "zum ersten Mal seit Jahren schmerzfrei" nach Hause zurück. "Wir lieben ihn alle", sagt eine Patientin, die sich zusammen mit vielen anderen zur Preisverleihung in der Praxis eingefunden hat. Etwa 70 Prozent von Spernaus Patienten kommen wegen Schmerzen - seit seiner Niederlassung Ende 1977 waren es 32 000. Doch das hält er nicht für eine Besonderheit: "Die meisten Patienten beim Hausarzt haben nun mal Schmerzen."

Auf die Röntgenbilder und andere Befunde, die die Patienten oftmals mitbringen, legt er dabei wenig Wert. Seine Methode, dem Kern der Beschwerden auf die Spur zu kommen, ist vielmehr das Zuhören. "Ich lasse die Patienten reden", sagt er. Damit wird das "vertrauensvolle hausärztliche Verhältnis" aufgebaut, das für ihn im Vordergrund steht. Auf einen PC-Bildschirm zu schauen, wenn der Patient vor ihm sitzt, käme für ihn niemals in Frage - in keinem seiner Sprechzimmer steht ein Monitor auf dem Arztschreibtisch. Spernau sieht sich dennoch nicht als Spezialist für orthopädische Beschwerden, sondern als "Allrounder", ob Colitis, Heuschnupfen oder Schmerzen: "Ich bin Ansprechpartner für alles." Ein weiteres wichtiges Prinzip im Umgang mit den Kranken ist die Offenheit: "Die Patienten schätzen das, sie wollen vollkommene Aufklärung, auch bei bösartigen Befunden", sagt er.

Das dritte Prinzip ist, alles gemeinsam mit den Patienten zu besprechen. Dabei ermuntert er sie aktiv, eine Zweitmeinung einzuholen, und schickt sie mit seinen Befunden zu anderen Ärzten. Allerdings findet er die voranschreitende Spezialisierung in der Medizin bedenklich. "Wir haben ja bald den Facharzt fürs rechte und den fürs linke Auge." Die Prävention kommt seiner Ansicht nach immer noch viel zu kurz, auch und gerade bei der Volkskrankheit Diabetes. "Diabetes schleicht sich über einen Zeitraum von acht Jahren ein. Diabetes ist keine Krankheit, sondern ein Symptom", sagt er. Sein neues Projekt ist das Metabolische Syndrom. Er gründet soeben die "Stiftung Metabolisches Syndrom", mit der junge Wissenschaftler unterstützt werden sollen. Sie sollen aus der Fülle der Forschungsarbeiten Ansätze zur praxisnahen Prävention herausfiltern.

Kritik übt Spernau an der Gesundheitspolitik

"Störfelder" sieht Allgemeinarzt Spernau auch reichlich in der Gesundheitspolitik. Das angekündigte Defizit in den gesetzlichen Kassen könnte seiner Ansicht nach leicht abgewendet werden, indem die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel abgeschafft wird. Es sei unsinnig, dass der Staat mit der einen Hand Milliarden kassiere, die er mit der anderen Hand zuschießen müsse. Das Ausgabeverhalten der Kassen müsste, sagt er, durch Vorschriften zur Bilanzierung streng durchleuchtet werden.

Hippokrates Award

Das Internet-Gesundheitsportal imedo hat erstmals den Hippokrates Award für "Deutschlands beste Hausarztpraxis" verliehen. Patienten waren auf imedo.de, in Printmedien und im Radio zur Bewertung ihrer Ärzte aufgerufen worden. Zur Abstimmung standen alle rund 55  000 Hausärzte. Nach Angaben von imedo gingen 7211 gültige Stimmen ein, davon 478 offline, also per Post. Gewinner ist Dr. Siegfried Spernau aus Neu-Isenburg. Platz zwei und drei erreichten die Praxen von Dr. Susanne Wig in Köln und von Dr. Kamil Burgazli in Wuppertal.

Das Portal möchte mit dem Award auf die Bedeutung der Hausärzte in der Gesundheitsversorgung hinweisen. Mit der Wahl gebe es zum ersten Mal in Deutschland eine authentische Abstimmung über die Servicequalität der allgemeinmedizinischen Versorgung. (pei)

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