Ärzte Zeitung, 25.05.2011

Verzahnung birgt Risiko für Kliniken

Sektorübergreifende Leistungen drücken Budgets

WIESBADEN (reh). Erbringen niedergelassene Ärzte Leistungen in Kliniken, muss das rechtlich abgesichert sein. Dabei könnte das Versorgungsgesetz eine interessante Perspektive bieten, jedoch nicht ohne finanzielles Risiko für die Kliniken.

In Kliniken tätig sein und trotzdem die eigene Praxis führen, das können Ärzte bereits. Meist werden diese Verträge über belegärztliche oder Honorarverträge rechtlich abgesichert. Dabei müssten Ärzte bei Honorarverträgen aufpassen, dass nicht der Eindruck der Scheinselbstständigkeit entstehe, sagte Rechtsanwältin Stefanie Pranschke-Schade beim diesjährigen Internistenkongress.

Denn dann könnten Abgaben an die Sozialversicherung fällig werden - auch noch nachträglich. Wobei für die Kliniken eine andere Variante, ein normaler Arbeitsvertrag, ohnehin günstiger wäre, so die auf Medizinrecht spezialisierte Juristin. Denn nur wer angestellt sei, werde auch bei den Budgetverhandlungen der Kliniken als Personal anerkannt.

Das Ganze könnte mit dem geplanten Versorgungsgesetz laut Pranschke-Schade eine neue Dimension erhalten. Im Prinzip könnten niedergelassene Ärzte mehr als bisher an Kliniken tätig werden, etwa in der spezialärztlichen ambulanten Versorgung.

Das berge finanzielle Risiken für die Kliniken. Denn wie sollen die Budgets der Kliniken angepasst werden, wenn das Volumen der Klinikleistungen ausgeweitet wird, die Ärzte aber nicht als Personal der Klinik zählen? Die Erfahrungen der Juristin zeigten, dass erste Kostenträger ähnliche Konstellationen in Budgetverhandlungen bereits als Argument nutzen, um weniger Geld locker machen zu müssen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Mehr Sicherheit vor Arzneimittel-Pfusch

Die aktuellen Arznei-Skandale haben den Gesetzgeber auf den Plan gerufen. Die Kompetenz der Bundesinstitute bei Rückrufen soll gestärkt, der Arzneimittelvertrieb sicherer werden. mehr »

Muster-Weiterbildung in trockenen Tüchern

Der Vorstand der Bundesärztekammer hat einstimmig die Gesamt-Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) für Ärzte beschlossen und veröffentlicht. mehr »

Zehn Regeln für die Rheuma-Therapie

In der medikamentösen Behandlung von älteren Rheuma-Patienten gilt es für Ärzte, einiges zu beachten. Rheumatologen haben zehn Empfehlungen verfasst. mehr »