Ärzte Zeitung, 06.09.2011

Weiterbildungstage - ein Erfolgsrezept gegen Hausärztemangel

Gemeinsam über den Alltag und die Sorgen eines Landarztes sprechen: In Brandenburg werben Hausärzte bei Weiterbildungsassistenten um ihr Interesse.

Von Angela Mißlbeck

Weiterbildungstage - ein Erfolgsrezept

Initiator eines Konzepts, das Erfolg verspricht: Dr. Reinhold Schrambke.

© KV Brandenburg

POTSDAM. Gegen den wachsenden Hausarztmangel im Land hat die Ärztekammer Brandenburg ein neues Instrument erdacht. Seit knapp einem Jahr treffen sich Weiterbildungsassistenten aus Brandenburger Hausarztpraxen bei so genannten Weiterbildungstagen.

Die zweitägigen Veranstaltungen schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Die jungen Ärzte lernen ihre Kollegen kennen, und sie vertiefen ihr Fachwissen.

"Wir glauben damit die Weiterbildung Allgemeinmedizin im Land zu verbessern und außerdem die Fachärzte für das Land Brandenburg zu interessieren", sagt der Initiator der Veranstaltungen Dr. Reinhold Schrambke von der Akademie für ärztliche Fortbildung der märkischen Kammer.

Der alteingesessene Hausarzt aus der Schorfheide ist überzeugt, dass für die jungen Kollegen bei der Entscheidung über eine Niederlassung oder Praxisübernahme auch die weichen Standortfaktoren zählen. Dabei kann Brandenburg nach seiner Meinung mit einem sehr guten kollegialem Zusammenhalt und Austausch punkten.

Bei den Veranstaltungen, die in der KV-Villa in Potsdam stattfinden, spielt deshalb nicht nur die Wissensvermittlung, sondern auch das Zusammenkommen eine Rolle. Zuletzt konnten sich die 28 Teilnehmer beim Grillen im Garten austauschen.

"Alles was den jungen Kollegen etwas Angst macht"

Mit der Teilnehmerzahl ist Schrambke zufrieden. Die Seminare wenden sich vor allem an Assistenten im letzten Weiterbildungsabschnitt. Pro Jahr absolvieren im Schnitt 18 Allgemeinmediziner ihre Facharztprüfung in Brandenburg.

Die Weiterbildungstage bringen auch Themen wie Niederlassungsbedingungen und Hausarztalltag aufs Tablett - "alles was den jungen Kollegen etwas Angst macht", sagt Schrambke. Sein Credo: "Wir wollen damit mal Positiverfahrungen rüberbringen."

Fachwissen für den Praxisalltag

Und nicht zuletzt lernen die Assistenten auch wichtiges Fachwissen für den Praxisalltag. So stand bei der letzten Veranstaltung das Thema "Kinder in der Hausarztpraxis" auf der Agenda. Das hat sogar einige weiterbildungsbefugte Ärzte angelockt.

Die Ergebnisse der Begleit-Evaluation können sich sehen lassen: "Alle 28 Teilnehmer würden die Veranstaltung unbedingt weiterempfehlen", sagt Schrambke. Drei Veranstaltungen pro Jahr und einen Vorbereitungstag auf die Facharztprüfung plant er derzeit. Zudem will er prüfen, ob die Kosten von 170 Euro für die zweitägigen Veranstaltungen nicht zum Teil aus dem Fördertopf für Allgemeinmedizin finanziert werden können.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Das ist bei einer Datenpanne zu tun

Bei einem Datenleck in der Praxis sind Inhaber nach der Datenschutzgrundverordnung verpflichtet, dies zu melden. Wem und wie, das erläutern Medizinrechtler. mehr »

Urologen befeuern Diskussion um Herztoddiagnostik

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie fordert große Reformen bei der Organspende. DGU-Präsident Professor Paolo Fornara erläutert im Interview, welche Neuregelungen seiner Meinung nach dringend nötig sind. mehr »