Ärzte Zeitung online, 21.11.2013
 

Vier-Wochen-Frist beim Facharzt

Jeder Zweite würde eher in die Klinik gehen

Wer länger als vier Wochen auf einen Facharzt-Termin wartet, soll sich auch in der Krankenhaus-Ambulanz vorstellen dürfen. Eine DAK-Umfrage zeigt nun, wie dieser Entschluss von Union und SPD bei den Patienten ankommt.

NEU-ISENBURG. Fast jeder Zweite (47 Prozent) würde in die Klinik gehen, wenn er innerhalb von vier Wochen keinen Facharzttermin bekommt. Nahezu gleich viele (45 Prozent) zögen es dagegen vor, auf einen Termin beim Facharzt zu warten. Das hat eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit ergeben.

Die Krankenkasse reagiert damit auf einen Beschluss von Union und SPD. Kürzlich hatten diese bei den Koalitionsverhandlungen entschieden, dass Patienten nicht länger als vier Wochen auf einen Facharzt-Termin warten sollen. Wer länger wartet, könne eine Krankenhaus-Ambulanz aufsuchen. Die Frist soll jedoch nur bei Überweisungen greifen.

Rund zwei Drittel der Befragten gaben an, meist innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin bekommen zu haben. Insgesamt 28 Prozent müssen oft länger warten. Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.

Während im Westen 70 Prozent in vier Wochen einen Termin erhalten, sind es im Osten nur 57 Prozent. Gleichzeitig geben mehr Ostdeutsche (39 Prozent) als Westdeutsche (25 Prozent) an, länger als vier Wochen warten zu müssen.

Große Unterschiede zwischen den Generationen

Auch zwischen den Geschlechtern gibt es einen deutlichen Unterschied: 37 Prozent der Frauen warten häufig länger als vier Wochen auf einen Facharzttermin, aber nur 19 Prozent der Männer.

Immerhin 19 Prozent der Befragten antworteten, dass in einem dringenden Fall schon einmal mehr als vier Wochen bis zu einem Facharzttermin vergangen sind.

Ein weiteres Gefälle ist zwischen den Generationen zu erkennen: Etwas mehr als ein Drittel der 18- bis 29-Jährigen muss sich schon mal länger in Geduld üben, doch nur ein Viertel der Senioren.

Die meisten älteren Patienten über 60 Jahre gaben an, überwiegend innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin zu erhalten (71 Prozent). Bei den Jüngeren sind es deutlich weniger (59 Prozent).

Gleichwohl würden sich nur 32 Prozent von ihnen im Krankenhaus behandeln lassen. Anders die über 60-Jährigen, von denen mehr als die Hälfte (55 Prozent) die Klinik aufsuchen würde.

Ein ebenso konträres Bild zeigt sich bei der Frage, ob eine mehr als vierwöchige Wartezeit in Ordnung wäre: Die Jüngeren bejahen das mehrheitlich (60 Prozent), die Älteren nicht (38 Prozent).

An der Umfrage haben rund 1000 Männer und Frauen teilgenommen. (eb)

[21.11.2013, 13:19:07]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Ernstgemein(t)e FORSA-Umfrage im Auftrag der DAK?
Vor vielen Jahren gab es mal den "ernstgemein(t)en" Tipp in der Frauenzeitschrift "FREUNDIN", doch gegenüber der MFA am Praxisempfang sozusagen "kackendreist" zu behaupten, man habe einen Termin fest ausgemacht, auch wenn das glatt gelogen wäre. So käme man schneller an den "Doktor" ran, und die MFA würde dastehen, als hätte sie den Termin vergessen einzutragen.

Auch bei dieser repräsentativen FORSA-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit wurde eine wesentliche Wahrheit weggelassen: Wenn ein GKV-Kassenpatient länger als 4 Wochen o h n e Rücksicht auf Dringlichkeit, Versorgungs- und Inanspruchnahme-Realität auf einen Termin beim Facharzt warten muss und dafür lieber alternativ in die Klinikambulanz zum Facharzt geht, sollen die Kosten für diese Alternativbehandlung im Krankenhaus und der damit verbundene Vermittlungsaufwand von der Gesamtvergütung a l l e r vertragsärztlich tätigen Kolleginnen und Kollegen k o l l e k t i v abgezogen werden? S o war und ist immer noch der Plan von CDU/CSU und SPD.

Dass dies entgegen allen gesetzlich verbindlichen Regeln im Sozialgesetzbuch (SGB V) offener Vertragsbruch und eine zweifellos verfassungswidrige Kollektiv- und Sippenhaftung sind, danach wurde in den FORSA-Interviews natürlich n i c h t gefragt!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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