Ärzte Zeitung, 13.06.2016

Unwetter

Praxen in Simbach räumen auf

Nach massiven Unwettern im Landkreis Rottal-Inn laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Von den heftigen Schäden sind auch Arztpraxen betroffen.

Von Christina Bauer

SIMBACH. Am 1. Juni setzte sturzflutartiger Regen innerhalb weniger Stunden weite Teile des bayerischen Landkreises Rottal-Inn unter Wasser. Sieben Menschen starben, die anderen kamen mit dem Schrecken davon. Auch die materiellen Schäden sind immens. Eine aktuelle Schätzung beziffert sie auf etwa eine Milliarde Euro.

Mehrere Einrichtungen der Gesundheitsversorgung sind ebenfalls betroffen. Dr. Gerald Quitterer, praktizierender Allgemeinarzt sowie Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands (ÄKV) Rottal-Inn und des Ärztlichen Bezirksverbands Niederbayern erhielt inzwischen bereits Meldungen von einigen Arztpraxen aus den besonders stark betroffenen Orten Simbach, Triftern und Tann.

Es sind sehr unterschiedliche Schadensausmaße dabei, von Wasser- über Geräteschäden bis zur kompletten Praxisflutung und dem drohenden Abriss eines Gebäudes. Die betroffenen Kollegen möchte Quitterer zeitnah entlasten. "Ich denke, am besten sind schnelle, unbürokratische Hilfsangebote."

Soforthilfe von 5000 Euro

Eine unmittelbare Zusage gibt es bereits über den Hausärztekreis Rottal-Inn, der Ärzten eine Soforthilfe von 5000 Euro anbietet. Die Höhe möglicher Zahlungen durch den ÄKV kann Quitterer nicht genau beziffern. Sie solle sich nach dem Bedarf richten. "Es gibt aber keine grundsätzliche Beschränkung im Umfang."

Neben finanziellen bietet der Arzt bei Bedarf auch logistische Hilfen oder die Übernahme von Diensten an. Betroffene Kollegen dürften sich jederzeit melden. Grundsätzlich werde Ärzten eine ausführliche schriftliche und Fotodokumentation der Schäden empfohlen.

Der Großteil der Mediziner im Landkreis sei indes weitgehend verschont geblieben. Der zeitweise unterbrochene Strom war wenige Tage nach der Flut wieder verfügbar. Inzwischen fließt an den meisten Orten auch das Leitungswasser wieder. Es gilt jedoch eine Abkochanordnung der Gesundheitbehörden.

Die medizinische Versorgung ist gesichert, die Mehrzahl der Arztpraxen sind regulär geöffnet. Problematisch für Patienten war noch am Donnerstag wegen Straßensperren und Umleitungen vor allem die Anfahrt, etwa nach Simbach.

Mehrere Termine wurden daher abgesagt oder verschoben, wie Frau Hutterer, MFA in der Praxis der Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie, Dr. Ina Hörmann, in Simbach berichtet. Sie hat die Flut miterlebt, "unvorstellbar" war das, sagt sie. Beim Schlammschaufeln packte sie mit an.

500 Häuser vom Abriss bedroht

Etwa 100 Häuser im Landkreis sind einsturzgefährdet, 500 vom Abriss bedroht, viele Einwohner stehen vor dem Nichts. In der ersten Woche wurden sieben Millionen Euro an staatlichen Soforthilfen ausgezahlt. Möglicherweise wird es für manche schwer, das Erlebte zu verarbeiten, es könnte seelische Folgeprobleme geben.

Derzeit zeichnet sich eine solche Entwicklung in Hörmanns Praxis aber nicht ab. "Wenn so etwas kommt, dann erst, wenn wieder mehr Ruhe einkehrt", so Hutterer. Aktuell wird noch überall aufgeräumt, Schlamm und Gerümpel entsorgt. In vielen Gebäuden laufen vom Bayerischen Roten Kreuz organisierte Heiztrockner auf Hochtouren.

Erwischt hat es auch eine im Erdgeschoss gelegene Apotheke mitten in Simbach, die komplett saniert werden muss. Gebannt sind die Gefahren noch nicht. Erst am Donnerstag mussten Bundeswehrsoldaten einen Hang sichern, da sonst ein Erdrutsch drohte. Vorsorglich wurden mehrere darunterliegende Häuser evakuiert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Abwarten schlägt Op

Zumindest in den ersten sechs Jahren nach Diagnose haben Männer mit lokalisiertem Prostata-Ca eine bessere Lebensqualität, wenn sie sich nicht unters Messer legen. mehr »

No deal-Brexit? Dieses Szenario lässt NHS-Angestellte schaudern

Je mehr Zeit in ergebnislosen Verhandlungen verrinnt, desto nervöser werden Beschäftigte vor allem im Gesundheitswesen. Ein Brexit ohne Vertrag mit der EU? Im NHS fürchtet man in diesem Fall ein Desaster. mehr »

Der reine Telearzt kommt

Fernbehandlung ohne Erstkontakt in der Praxis? Im Ländle wird dieses Modell jetzt erstmals getestet. Die Kammer dort hat gerade das erste Projekt genehmigt. mehr »