Ärzte Zeitung, 01.12.2010

Steuerabzug für den "letzten Strohhalm"

MÜNCHEN (mwo). Lebensbedrohlich erkrankte Patienten können die Kosten alternativer Heilmethoden von der Steuer absetzen. Nach einem heute veröffentlichten Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) in München gelten auch nicht anerkannte Heilmethoden als außergewöhnliche Belastung, wenn die Schulmedizin keine erfolgversprechende Behandlung mehr anzubieten hat. Damit rückte der BFH von seiner bislang strengeren Rechtsprechung ab. Grund sei die "notstandsähnliche Zwangslage zwischen Realität und Wunsch nach Heilung", die "den ‚Griff nach jedem Strohhalm‘ gebietet".

Mit seinem Leitsatzurteil geht der BFH über die Rechtsprechung zur gesetzlichen Krankenversicherung hinaus. 2005 hatte das Bundesverfassungsgericht und in der Folge auch das Bundessozialgericht entschieden, dass die Kassen lebensbedrohlich Kranken eine nicht anerkannte Alternativmethode dann bezahlen müssen, wenn nach bisherigen Erkenntnissen zumindest eine "begründete Hoffnung" auf Heilung oder Linderung besteht.

Az.: VI R 11/09

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Ein Anästhetikum zur Behandlung bei schweren Depressionen?

Ketamin - einst als Anästhetikum entwickelt - hat sich in mehreren Studien bei Patienten mit therapieresistenten Depressionen bewährt. Doch: Für Euphorie ist es noch zu früh. mehr »

Wo und wann sich Patienten im Krankenhaus wohlfühlen

Die Bertelsmann Stiftung hat untersucht, wo Patienten ihren Klinikaufenthalt am besten bewerten. Dabei fanden die Analysten interessante Zusammenhänge heraus. mehr »

Darf‘s ein bisschen weniger Zucker sein?

Große Lebensmitteleinzelhändler wollen den Zuckergehalt in ihren Eigenmarken reduzieren. Für Verbraucherschützer ist das allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein. mehr »