Ärzte Zeitung, 11.09.2012

Zu kleiner Busen

Kassen müssen Brust-Op Transsexueller bezahlen

Kassen-Schlappe vor Gericht: Eine Transsexuelle, die einen zu kleinen Busen hat, darf sich auf Kassenkosten eine Brustvergrößerung leisten. Das hat das Bundessozialgericht entschieden.

Kassen müssen Brust-Op Transsexueller bezahlen

Das BSG billigte die Operation zur Körbchengröße A für eine Transsexuelle auf Kassenkosten.

© photos.com PLUS

KASSEL (mwo). Mann-zu-Frau-Transsexuelle mit sehr kleiner Brust haben Anspruch auf eine brustvergrößernde Op.

Der Grundsatz, dass die gesetzlichen Kassen keine Eingriffe in gesunde Organe bezahlen, gelte hier ausnahmsweise nicht, urteilte das Bundessozialgericht (BSG) am Dienstag in Kassel.

Voraussetzung ist danach nur, dass sich anders eine Brust mit mindestens BH-Körbchengröße A noch nicht gebildet hat. Eine vorausgehende Genital-Op können die Kassen nicht verlangen.

Zwei Kassen-Schlappen vor Gericht

Im ersten Fall waren auch nach Hormonbehandlung und Genitaloperation nur sehr kleine Brüste gewachsen. Die Kasse lehnte eine operative Vergrößerung als "Operation an gesunden Organen" ab.

Die zweite Klägerin hatte eine Genitaloperation noch nicht durchführen lassen. Die Kasse meinte, weil sich danach noch eine weibliche Brust bilden könne, kämen Brustimplantate zumindest vorher nicht in Betracht.

Das BSG betonte, der Gesetzgeber habe Transsexualität mehrfach als besondere Ausnahme anerkannt. "Zur Minderung ihres psychischen Leidensdrucks" seien daher auch Eingriffe in gesunde Organe gerechtfertigt.

Eine vorausgehende Geschlechtsoperation könnten die Kassen nach jüngerer Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum Namensrecht nicht mehr verlangen.

Az.: B 1 KR 9/12 R und B 1 KR 3/12 R

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[12.09.2012, 08:30:14]
Wolfgang Ebinger 
"... auf Kassenkosten"
Da können wir ja alle nur froh sein, dass jetzt höchstrichterlich klar gestellt worden ist, wofür die vielen kleinen Beiträge der Versichertengemeinschaft - die im Volksmund üblicherweise auch als "Krankenkasse" [sic] bezeichnet wird - zu verwenden sind ... zum Beitrag »
[11.09.2012, 22:52:15]
Kim-Sophie Lüders 
Bitte vorher richtig informieren
Es wird in dem Kommentar unter dem Foto gesagt, "Das BSG billigte die Operation zur Körbchengröße A für männliche Transsexuelle auf Kassenkosten." Dieses ist völlig falsch und würde übersetzt bedeuten, dass Transmänner, welche ursprünglich in einem weiblichen Körper geboren wurden, einen Brustaufbau bekommen würden. Die täten sich bedanken, kann ich ihnen versprechen^^.
Es werden immer wieder die Geschlechter durcheinander gebracht und das zeigt, dass sich Viele nicht wirklich mit dem Thema auseinandersetzen.
Es sind transsexuelle (transidente) Frauen und nicht Männer. Das wäre nämlich höchst diskriminierend. Möglicherweise liegt es auch daran, dass wir in Europe auf diesen Fachgebiet noch sehr rückständig sind. So wird ja immer noch der Krankheitsschlüssel F 64.0 diagnostiziert, welcher eine geistige Störung begründet. Mittlerweile hat die Hirnforschung aber schon bewiesen, dass es sich dabei keineswegs um eine Störung, sondern um ein "biologisches" Phänomen handelt. Das Gehirn einer transidenten Frau ist biologisch weiblich, dieses hat man in Forschungen nachgewiesen.
In den USA, so rückständig sie auch in vielen Bereichen sind, hat man dieses mittlerweile erkannt und hat diese diskriminierende Diagnose abgeschaft und bezeichnet Transsexualität nicht mehr als psychische Störung. Hier hat man allerdings größte Probleme solche Tatsachen zu akzeptieren, weil das bei Vielen ihr Weltbild zusammenbrechen lässt, das die Meisten, vor allem die männiche Gattung, das Geschlecht allein durch das Genital und dem Y-Chromosom definieren. Ein sehr einfaches Denken, was viel Leid verursacht hat und leider noch verursacht.
Irritierend ist allerdings, das muss ich vielen Medizinern zugute halten, dass nicht Jede Transsexuelle, welch es von sich behauptet, auch tatsächlich soweit weiblich rüber kommt, dass es auch in die eingene innere Überzeugung hinübergeht. Nicht jede TS ist eben wirklich Eine, aber fast alle setzen die Behandlungen, auch mit Hilfe der Gerichte, durch. Dem könnte man entgegen wirken und den Kassen viel Geld und einigen Irrgeleiteten viel Leid zu ersparen, wenn sie den fatalen Irrtum zu spät erkennen. Es gibt eine sehr gute Diagnosemöglichkeit mit dem MRT, wo durch Stimmulierungen ziemlich eindeutig das Geschlecht des Gehirns zu erkennen ist. Dieses wurde ausreichend getestet.
Ich habe jetzt einwenig mehr geschrieben, als das, was hier das Thema war, aber ich hatte das tiefe Bedürfnis der Aufklärung und bitte um Verständnis für mein Mitteilungsbedürfnis :-) zum Beitrag »

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