Ärzte Zeitung online, 16.10.2013

Spanien

Contergan-Geschädigte verklagen Grünenthal

204 Millionen Euro fordern 180 Contergan-Geschädigte aus Spanien von Grünenthal vor Gericht. Der Arzneimittelhersteller hatte ihnen 120.000 Euro pro Jahr angeboten - den Vergleich schlugen die Betroffenen aber aus.

Von Manuel Meyer

MADRID. Mehr als 50 Jahre nach dem Bekanntwerden des Contergan-Medikamentenskandals in Deutschland versuchen auch spanische Opfer, eine Entschädigung in Millionenhöhe von dem deutschen Pharma-Unternehmen Grünenthal zu erstreiten.

Bei einem am Montag eröffneten Prozess forderten 180 Geschädigte vor Gericht in Madrid eine Wiedergutmachung für die entstandenen gesundheitlichen Schäden in Höhe von 204 Millionen Euro.

Grünenthal nahm in Deutschland bereits 1961 seine Thalidomid-haltigen Medikamente vom Markt.

Der Wirkstoff war in verschiedenen Beruhigungs- und Schmerzmitteln enthalten und bei Einnahme in frühen Schwangerschaftsmonaten verursachte er schwere Fehlbildungen an den Föten und auch Totgeburten.

Der spanische Contergan-Opferverband Avite, der die Sammelklage eingereicht hat, wirft dem deutschen Arzneimittelproduzenten jedoch vor, das Mittel in Spanien erst 1965 aus dem Umlauf genommen zu haben.

Nach Schätzungen des Opferverbands wurden in Spanien aufgrund der Einnahme des schädlichen Medikamentes etwa 3000 Kinder mit Missbildungen geboren, von denen nur noch 300 leben.

Grünenthal verweist auf Hilfe durch Stiftungen

Grünenthal wies die Forderungen vor Gericht zurück und verwies die spanischen Betroffenen auf die für alle Opfer zur Verfügung stehenden Hilfen bei der Contergan-Stiftung und bei der Grünenthal-Stiftung in Deutschland.

Zuvor lehnte der Opferverband ein Vergleichsangebot Grünenthals ab, der den Opfern eine jährliche Gesamtentschädigung von 120.000 Euro anbot.

"Wir wollen genauso behandelt werden wie die deutschen Opfer, die schon seit über 50 Jahren eine lebenslange Rente erhalten", stellte Rafael Basterrechea, Vize-Präsident von Avite, nach dem Prozessauftakt klar.

Contergan hatte Ende der 1950er Jahre einen der größten Arzneimittelskandale ausgelöst. Weltweit kamen 10.000 Kinder mit schweren körperlichen Missbildungen zur Welt, davon 5000 in Deutschland. (mit Material von dpa)

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