Ärzte Zeitung online, 14.01.2015

Bamberg

Ehemaliger Chefarzt wegen Missbrauchs angeklagt

Im Missbrauchsskandal am Bamberger Klinikum hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den beschuldigten ehemaligen Chefarzt erhoben.

BAMBERG. Dem ehemaligen Chefarzt am Bamberger Klinikum werden in der Anklage Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Der Arzt soll Frauen unter dem Vorwand einer angeblichen medizinischen Studie untersucht und sich dabei an ihnen vergangen haben.

Zuvor soll er sie mit Medikamenten ruhiggestellt haben, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Der inzwischen entlassene Chef der Klinik für Gefäßchirurgie hat die Vorwürfe bestritten und erklärt, nur medizinisch notwendige Untersuchungen vorgenommen zu haben.

Sollte die Anklage zugelassen werden, dürfte der Prozess nicht vor März beginnen.

13 Frauen zwischen 17 und 28

Bei den mutmaßlichen Opfern handelt es sich um 13 Frauen im Alter von 17 bis 28 Jahren.

Zehn Frauen waren Patientinnen des Arztes, zwei waren zur mutmaßlichen Tatzeit Mitarbeiterinnen im Bamberger Krankenhaus, eine stammt aus dem privaten Umfeld des Mediziners.

Alle Frauen haben Strafantrag gestellt. Die Taten soll der Arzt zwischen September 2008 und Juli 2014 begangen haben.

Eine Medizinstudentin hatte den Skandal ans Licht gebracht. Sie machte in dem Krankenhaus ein Praktikum. Dabei nahm sie an der angeblichen Studie teil.

Der Chefarzt habe der jungen Frau ein starkes Beruhigungsmittel gespritzt, das sie kurzzeitig bewusstlos machte. Die Studentin ging nach dem Vorfall in ein anderes Krankenhaus und ließ dort ihr Blut untersuchen.

Danach erstattete sie Anzeige wegen Körperverletzung. Von dem Missbrauch erfuhr sie erst durch die Ermittlungen.

Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage auf fast 70 Zeugenaussagen, die Einschätzungen von Sachverständigen und auf etliche Bilder und Videos, "die das Tatgeschehen wiedergeben", wie der Leitende Oberstaatsanwalt Bardo Backert sagte. (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Ein steiniger Weg nach Deutschland

Ob geflohen vor Krieg oder eingewandert aus anderen Teilen der Welt: Wer als ausländischer Arzt in einer deutschen Klinik oder Praxis arbeiten will, muss Ausdauer haben – und gutes Deutsch können. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen weht scharfer Gegenwind. mehr »