Ärzte Zeitung online, 19.07.2019

Ärzte, aufgepasst

Diese Impfungen sollten Mekka-Pilger haben

Weit über 10.000 Bundesbürger nehmen jedes Jahr an der Pilgerfahrt nach Mekka teil. Dieses Jahr startet sie am 9. August. Bei diesen Patienten ist der Blick ins Impfbuch wichtig.

Von Anne Bäurle

Diese Impfungen sollten Mekka-Pilger haben

Pilger in Mekka: Sie umrunden siebenmal die Kaaba in der Mitte auf ihrer Wallfahrt.

© AHMAD FAIZAL YAHYA / Fotolia

NEU-ISENBURG. Jeder zwanzigste Bundesbürger – und somit potenzieller Patient in Praxis und Klinik – ist Muslim. Viele von ihnen werden sich vom 9. bis 14. August auf die Pilgerfahrt nach Mekka machen, die sogenannte Hadsch.

Sie ist eine der fünf Pflichten für gläubige Muslime und findet während des höchsten islamischen Feiertags, dem Opferfest Eid ul-Adha statt. 2018 sind allein aus Deutschland weit über 10.000 Pilger nach Mekka aufgebrochen, berichtete der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Abdassamad El Yazidi.

Für Hausärzte ein wichtiger Anlass, den Impfschutz dieser Patienten zu prüfen. Denn für Pilger schreibt Saudi-Arabien bei der Einreise die Impfung mit einer tetravalenten Meningokokken-Vakzine vor. Eine Men ACWY-Impfung muss von allen Pilgern ab dem zweiten Lebensjahr nachgewiesen werden, so das Centrum für Reisemedizin CRM. Die Impfung müsse mindestens zehn Tage vor Einreise erfolgen.

„Konjugatimpfstoffe haben dabei eine Gültigkeit von fünf Jahren, bei fehlender Angabe des Impfstofftyps oder Verwendung der Polysaccharid-Vakzine (die in manchen Ländern noch verwendet wird) beträgt die Gültigkeit drei Jahre“, so das CRM. Zudem erhielten alle Personen aus Ländern des afrikanischen Meningitis-Gürtels bei Einreise eine Chemoprophylaxe zur Verminderung des Ausscheider-Risikos.

Rohe Kamelmilch brigt Gefahren

Da einige Länder nur die Polysaccharid-Impfstoffe verwenden, müsse im Impfpass in englischer Sprache und ausdrücklich dokumentiert werden, dass mit einem Konjugat-Impfstoff („conjugate vaccine“) geimpft worden ist, berichtete Dr. Camilla Rothe vom Uniklinikum München beim diesjährigen „Infektio Update“ in Mainz. In Deutschland sind zwei Men ACWY-Vakzinen erhältlich: die beiden Konjugatimpfstoffe Menveo® und Nimenrix®.

Bei einem Direktflug aus Europa sind keine weiteren Impfungen vorgeschrieben, wie bei allen Reisen sollte aber auf die im jeweiligen EU-Land empfohlenen Standard-Impfungen geachtet werden, inklusive der mit Kombi-Vakzinen gegen Masern, Mumps, Röteln und gegen Diphtherie, Tetanus, Polio, rät die EU-Seuchenbehörde ECDC.

Auch Impfungen gegen Hepatitis A und B, Influenza (vor allem bei Schwangeren, Kindern unter fünf Jahren, Älteren und chronisch Kranken) und Tollwut können indiziert sein.

Nach der Rückkehr sollten Reisende in den ersten zwei Wochen auf Symptome akuter Atemwegserkrankungen mit Fieber über 38 °C und Husten achten, da immer wieder Infektionen mit dem MERS-Coronavirus (MERS-CoV) aus Saudi-Arabien gemeldet werden. So gab es bis Ende Mai 2019 laut ECDC in dem Land 2051 bestätigte Fälle von MERS-CoV-Infektionen, darunter 793 Todesfälle.

Die Behörde warnt vor Kontakt zu Kamelen oder dem Verzehr von roher Kamelmilch. In Verbindung mit der Hadsch habe es allerdings bisher keine Fälle von MERS-CoV-Infektionen gegeben.

Eine Men ACWY-Impfung muss von allen Pilgern ab zwei Jahren nachgewiesen werden.

Centrum für Reisemedizin CRM, Düsseldorf

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