Ärzte Zeitung, 01.06.2011

Biopharmazie dominiert Region Ulm

Die BioRegionUlm sieht sich als Top-Standort für die Biopharmazeutika-Anbieter in Europa - mit Potenzial.

Von Matthias Wallenfels

In, um und um Ulm herum dominiert die Biopharmazie

Ulm: Top-Standort für Biopharmazeutika.

BIBERACH. In der medizinischen Versorgung in Deutschland werden Biopharmazeutika - gentechnisch hergestellte Arzneimittel - an Bedeutung weiter zunehmen.

So lautete der Tenor des "Biotech-Forums 2011", das vor kurzem in Biberach stattfand. Ausrichter war unter anderem vfa bio, der sich innerhalb des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa) nach eigener Aussage für die Belange der 43 weltweit führenden Biotechnologie-Anbieter in der Gesundheits-, Forschung und Wirtschaftspolitik einsetzt.

"Biopharmazie und -technologie unserer Region bieten enorme Chancen für die Entwicklung und Herstellung neuer innovativer biotechnologischer Wirkstoffe zur Behandlung von Erkrankungen, welche bisher nicht hinreichend therapierbar sind", schätzte Professor Uwe Bücheler, Vorsitzender der BioRegionUlm.

Durch die Bündelung von Interessen und Ressourcen in dem regionalen Cluster BioPharMaXX erhöhten sich, so Bücheler, die Chancen der Kooperationspartner und der Region.

Die BioRegionUlm ist laut vfa bio zentraler Standort für die biotechnologische Prozessentwicklung und Produktion in Europa. In Deutschland zähle die Region zwischen Ostalb und Bodensee zu den drei Topstandorten der Herstellung von Biopharmazeutika. Nirgendwo in Europa würden mehr Biopharmazeutika in Säugetierzellen für den globalen Markt produziert.

Zudem verfüge die Region mit dem Bachelor-Studiengang Pharmazeutische Biotechnologie an der Hochschule Biberach über eine Ausbildung, die erstmals auf die industrielle Entwicklung und Produktion von Biopharmazeutika zugeschnitten sei. Gemeinsam mit der Universität Ulm werde ein weiterführender Masterstudiengang angeboten, ein Promotionskolleg Pharmazeutische Biotechnologie werde an beiden Hochschulen gerade eingerichtet.

Laut Bücheler sollen die Aktivitäten des Clusters BioPharMaXX dazu beitragen, die Produktion von Biopharmazeutika kostengünstiger und effizienter zu gestalten. Darüber hinaus sollten aus den Aktivitäten des Clusters neue Diagnostik- und Therapielösungen im Gesundheitswesen entwickelt werden.

Auch in der Politik finden die Vertreter der Biopharmazeutika-Anbieter Fürsprecher. Auf dem Symposium äußerte sich zum Beispiel der CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Thomas Rachel.

Rachel: "Immer mehr Biopharmazeutika erlauben es, Krankheiten an der Wurzel zu packen, statt wie bisher an ihren Symptomen zu kurieren. Dennoch läuft der Übergang von der Grundlagen- in die angewandte Forschung nicht immer so reibungslos, wie wir uns das wünschen. Es gilt, alle Kräfte effizient zu bündeln und neue Kooperationsformen zu etablieren. Gefragt sind ganzheitliche Ansätze. Für diese können die neu geschaffenen Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung, für die die Bundesregierung bis 2015 fast 700 Millionen Euro zur Verfügung stellt, einen institutionellen Rahmen geben."

Auch 2010 sei der Bedarf an Biopharmazeutika in Deutschland weiter gewachsen, berichtete Dr. Frank Mathias, Vorsitzender von vfa bio und CEO des Biopharmazeutikaherstellers Medigene aus Martinsried. Das lasse sich am Umsatzwachstum dieses Marktsegments um rund acht Prozent auf insgesamt knapp 4,9 Milliarden Euro ablesen.

Der Anteil der Biopharmazeutika am Gesamtpharmamarkt sei damit auf 17 Prozent gewachsen. "Die neuen Biopharmazeutika der letzten Jahre haben beeindruckend bewiesen, wie gut sie Patienten helfen können", so Mathias. Deshalb erhielten mehr Patienten diese Medikamente als in den Jahren zuvor.

Die Preise seien stabil geblieben, aber der gestiegene medizinische Bedarf habe für das Plus gesorgt, verdeutlichte Mathias. "Für 2011 müssen wir allerdings mit einem deutlichen Abflachen des Wachstums rechnen", gab Mathias zu bedenken.

Rund 100 neue Biopharmazeutika haben laut vfa bio mittlerweile das letzte Stadium der klinischen Erprobung erreicht. Einige davon könnten künftig für den internationalen Bedarf in der Region Ulm produziert werden, wenn sie alle klinischen Prüfungen bestanden und die Zulassung erhalten haben. "Und wenn sie danach auch die Hürden für ihre Erstattung nehmen", wie Mathias betonte, denn Innovationen bräuchten eine faire Erstattung.

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