Ärzte Zeitung, 16.05.2013
 

Konkurrenz für Top-Produkt

Grünenthal vor neuer Herausforderung

Umfangreiche Spartenverkäufe in den vergangenen Jahren kosteten Grünenthal Umsatz. Inzwischen wurde die Delle durch organisches Wachstum wieder ausgebügelt. Vor neue Herausforderungen sieht sich der Schmerzmittel-spezialist durch den Patentauslauf seines bisherigen Hauptprodukts gestellt.

stock-harald-A.jpg

Dr. Harald F. Stock, Geschäftsführer Grünenthal hat gute Zahlen vorgelegt.

© Grünenthal

AACHEN. Nach Umsatz- und Gewinnverbesserung 2012 wird das Familienunternehmen Grünenthal dieses Jahr eine Wachstumspause einlegen.

Gedämpft werden die Geschäftserwartungen durch zunehmende generische Konkurrenz für die Analgetika-Kombination Zaldiar® (Tramadol + Paracetamol), darüber hinaus aber auch von sich eintrübenden Aussichten im US-Schmerzmittelmarkt, wo Nachahmer insgesamt den Druck auf die Preise erhöhen.

2013 werde der Konzernumsatz leicht zurückgehen, kündigte CEO Dr. Harald Stock anlässlich der Veröffentlichung der Bilanzzahlen an. Da gleichzeitig auch keine außerordentlichen Erträge mehr aus den Spartenverkäufen in die Konzernkasse fließen, werde der Gewinn vor Steuern "deutlich niedriger ausfallen".

Ab 2014 jedoch werde Grünenthal "auf den Wachstumspfad zurückkehren", so Stock weiter. Mit Zaldiar®, das Ende 2011 die Marktexklusivität verlor, erlöste Grünenthal vergangenes Jahr rund 166 Millionen Euro (minus sechs Prozent).

Mit 17 Prozent des Gesamtumsatzes war die Schmerz-Kombi immer noch größtes Konzernprodukt. An zweiter Stelle rangierte erneut der Schmerzmittelklassiker Tramal®, der jedoch mit 114 Millionen Euro (-15 Prozent) erheblich einbüßte.

Schmerzwirkstoff vor Phase III

Die stärksten Zuwächse verbuchte das neue Schmerzmittel Palexia® (Tapentadol), das Ende 2010 in die europäischen Märkte kam und in den USA von Johnson & Johnson vertrieben wird. Mit 67 Millionen Euro (+115 Prozent) trug Palexia® sieben Prozent zu den Gesamtverkäufen bei.

Im Heimatmarkt Deutschland erwirtschaftete Grünenthal 2012 insgesamt rund 127 Millionen Euro.

Mit 26 Prozent seines Umsatzes gab Grünenthal 2012 branchenüberdurchschnittlich viel für Forschung und Entwicklung aus, 251 Millionen Euro. Diese Quote soll auch in den kommenden Monaten beibehalten werden, heißt es.

Wichtigster Pipelinekandidat ist aktuell der orale Schmerzwirkstoff Cebranopadol (ehemals unter dem Arbeitsnamen GRT 6005 geführt), den Grünenthal zusammen mit dem New Yorker Hersteller Forest Laboratories entwickelt.

Das Mittel hat inzwischen die klinische Phase IIb erreicht. Die entscheidenden Phase-III-Studien sollen noch dieses Jahr beginnen. (cw)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »

Inhalatives Steroid bei Kindern – Keine falsche Zurückhaltung!

Die Angst vor Frakturen sollte bei asthmakranken Kindern kein Grund gegen die Kortisoninhalation sein. Zurückhaltung könnte sogar den gegenteiligen Effekt haben. mehr »

Ibuprofen plus Paracetamol so effektiv wie Opioide

Es müssen keine Opioide sein: OTC-Analgetika wirken bei Schmerzen in den Gliedmaßen ähnlich gut wie Opioide, so eine US-Studie. mehr »