Ärzte Zeitung, 24.06.2014

175 Jahre B.Braun

Von der Apotheke zur Pharma-Größe

Seit 175 Jahren steht der Name Braun Melsungen für Medizin und Medizintechnik. Mittlerweile ist das Familienunternehmen ein Konzern mit Milliardenumsatz. Angefangen hat alles mit einer kleinen Apotheke.

Von Timo Lindemann

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Moderne Industriearchitektur in ländlicher Umgebung: B.Braun im nordhessischen Melsungen.

© Uwe Zucchi / dpa

MELSUNGEN. In der Medizintechnik häufen sich die Megafusionen und -übernahmen. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der US-Konzern Medtronic seinen irischen Wettbewerber Covidien schlucken will - für die immense Summe von rund 43 Milliarden Dollar.

Unbeeindruckt von solchen Transaktionen ist die B. Braun Melsungen AG. Als Familienunternehmen, das seit 175 Jahren besteht, wird es von diesem Fusionskarussell nicht erfasst.

"B. Braun war und ist ein Familienunternehmen, in dem es auch Familienmitgliedern immer wichtig war, Verantwortung zu übernehmen und das Unternehmen an die nächste Generation weiterzugeben", sagt Firmenchef Heinz-Walter Große. Nach fast einem halben Dutzend Generationen von Brauns ist er erster Nicht-Braun an der Unternehmensspitze.

Groß geworden ist B.Braun vor allem unter Ludwig Georg Braun. Der frühere Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) stand bis 2011 rund 34 Jahre lang dem Unternehmen vor. Zu Beginn seiner Ägide waren es noch etwa 3000 Mitarbeitern und rund 517 Millionen DM Umsatz.

Er baute B. Braun zu einem Konzern mit Milliardenumsatz und Zehntausenden Mitarbeitern aus. Seit 2011 setzt Große den Wachstumskurs seines Vorgängers fort. Unter ihm knackte der Konzern 2012 erstmals die Marke von fünf Milliarden Euro Umsatz. 2013 kletterten die Erlöse um knapp 122 Millionen auf 5,17 Milliarden Euro.

Unter dem Strich wuchs der Konzerngewinn auf 315,5 Millionen Euro (2012: 288,6 Millionen Euro), das beste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte. Für 2014 prognostiziert der Vorstand erneut ein Umsatzplus zwischen drei und sieben Prozent.

B. Braun gehört zu den weltweit agierenden Medizintechnikherstellern. Einer seiner größten Konkurrenten sitzt ebenfalls in Hessen: Der Dax-Konzern Fresenius aus Bad Homburg stellt Produkte für Dialyse, Generika und Infusionslösungen her.

"Gute Sozialpartnerschaft"

Er betreibt Krankenhäuser und Dialysekliniken. Fresenius und B. Braun haben zuletzt mit harten Bandagen um die Rhön-Kliniken gekämpft. Fresenius konnte wie gewollt 40 Häuser übernehmen, Ludwig Georg Braun sitzt nun im Rhön-Aufsichtsrat.

Vor 175 Jahren hatte Julius Wilhelm Braun mit der Rosen-Apotheke in dem nordhessischen Städtchen Melsungen angefangen. Am 23. Juni 1839 kaufte er die Apotheke und legte damit den Grundstein für den Konzern mit Niederlassungen in mittlerweile 61 Ländern und weltweit 50.000 Mitarbeitern.

B. Braun stellt unter anderem Spritzen, Nährlösungen und Pflaster her, aber auch Infusionspumpen und 3D-Operationsgeräte. Mit der "Braunüle" ist der Firmenname als fester Begriff für eine Dauerkanüle in die medizinische Fachterminologie eingegangen.

Das Unternehmen habe den Fortschritt in der Medizin mit vorangetrieben, betont Firmenchef Große. Die Strategie auch für die Zukunft sei: "Neue Märkte zu erschließen und sich nicht von einer Region abhängig zu machen, um auf diese Weise Krisen besser trotzen zu können".

Den "Braunianern" wird ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl nachgesagt. "B. Braun ist ein guter Arbeitgeber. Es gibt Tarifverträge, einen Betriebsrat und eine gute Sozialpartnerschaft", so Friedrich Nothhelfer, Leiter des Bezirks Kassel der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie.

Vor Jahren rang B. Braun seinen Mitarbeitern am Stammsitz Mehrarbeit ab, sonst hätte die Produktion nach Spanien verlegt werden sollen. Der Zukunftssicherungsvertrag - die Mitarbeiter müssen bis zu 40 Stunden pro Woche arbeiten, dafür werden sie am Erfolg beteiligt, und betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen - läuft dieses Jahr aus. Ein neuer Vertrag wird verhandelt. (dpa)

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