Ärzte Zeitung, 23.01.2017
 

Grüne Woche

Diskussion über Zuckersteuer geht weiter

Die Diskussion um die Zuckersteuer ist aus Anlass der Grünen Woche in Berlin wieder hochgekocht.

BERLIN. Der Wettstreit um die öffentliche Meinung zu Zucker geht aus Anlass der aktuell laufenden Grünen Woche in Berlin in die nächste Runde. Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) informiert in Berlin über Zucker als "nachhaltiges Naturprodukt". Nicht der Zucker, sondern die Energiebilanz sei für das Körpergewicht entscheidend, so der Verband.

Eine YouGov-Umfrage habe kürzlich ergeben, dass 79 Prozent der Verbraucher keine staatlichen Vorgaben dafür wollten, wie viel Zucker sie konsumieren dürfen. "In der Ernährungsdebatte brauchen wir Bildung statt Bevormundung", so Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der WVZ, in einer Pressemitteilung. "Vermeintlich einfache Lösungen wie Strafsteuern auf Zucker, Lebensmittelampeln und staatlich vorgeschriebene Rezepturen führen den Verbraucher nur in die Irre", so Tissen weiter. Am Ende zählten beim Körpergewicht doch nur die aufgenommenen und verbrauchten Kalorien.

Zuletzt hatte die Deutsche Diabetes Gesellschaft DDG im Dezember kritisiert, dass die Zuckerindustrie in Gestalt der WVZ Gesundheitsrisiken verharmlose und Zucker "fälschlicherweise als Naturprodukt" bezeichne. Die Argumentation, dass es auf die Energiebilanz ankomme, sei "irreführend", hatte Professor Baptist Gallwitz, Präsident der DDG im Dezember betont. (ger)

[23.01.2017, 10:54:59]
Karl-Otmar Stenger 
Energiebilanz
Wenn das tatsächlich so wäre, dass es völlig egal sei, welches Lebensmittel als Energieträger wir zu uns nehmen, gäb es die Menschheit / Primaten erst gar nicht. Ausserdem wären zahlreiche Tierarten schon längst ausgestorben. Das liegt daran, dass die Zufuhr von Fruktose - siehe z. B. Bären, die sich an Früchten im Herbst nicht sattfressen können, um mit dem Vorrat an Fett den Winter zu überstehen - auf Dauer dafür sorgt, dass unsere Mitochondrien statt Energie zu erzeugen die Fettsynthese ankurbeln und unterhalten. Unsere Lebensmittelindustrie und andere haben seit Max Rubner (* 2. Juni 1854 in München; † 27. April 1932 in Berlin) nichts dazugelernt.
Es ist doch so einfach: Die WHO hat vor zwei Jahren davor gewarnt, dass derjenige, der mehr als 5% seiner Energiezufuhr in Form von Zucker zu sich nimmt, früher oder später schwer erkranken wird. Deshalb gilt es auf EU-Ebene die Zuckermarktordnung den Bedürfnissen einer gesund zu erhaltenden Bevölkerung anzupassen, statt ab 1.10.2017 den Zuckermarkt der EU zu liberalisieren. zum Beitrag »

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