Ärzte Zeitung online, 27.11.2017
 

Japan

Zwei weitere Reaktoren gehen ans Netz

TOKIO. Trotz Protesten in der Bevölkerung wird Japan in Kürze zwei weitere Atomreaktoren wiederanfahren. Nach zwei Jahren Stillstand aller Reaktoren im Land als Konsequenz aus der Atomkatastrophe in Fukushima von 2011 hatte Japan bereits im August 2015 erstmals wieder zwei Rektoren hochgefahren. Inzwischen laufen von Japans noch funktionsfähigen 42 Reaktoren vier.

Der Gouverneur der zentraljapanischen Provinz Fukui, Issei Nishikawa, gab nun am Montag sein Einverständnis, dass der Betreiberkonzern Kansai Electric Power Company (Kepco) die Reaktoren 3 und 4 im Atomkraftwerk Ohi wieder hochfährt. Damit können die beiden Reaktoren voraussichtlich ab Anfang nächsten Jahres wieder in Betrieb gehen.

Ein japanisches Gericht hatte unlängst eine Mitschuld des Staates und des Betreiberkonzerns Tokyo Electric Power Company (Tepco) an dem GAU in Fukushima festgestellt. Ungeachtet dessen hält die Regierung weiter an der Atomkraft fest.

Die Atomaufsicht erklärte kürzlich erstmals seit dem GAU in Fukushima zwei Tepco-Reaktoren für sicher: Die beiden Reaktoren 6 und 7 im weltgrößten Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa am Japan-Meer hätten die nach der Katastrophe in Fukushima verschärften Sicherheitsauflagen erfüllt. Bis auch sie wieder hochgefahren werden, dürften aber noch Jahre vergehen. Bei den Blöcken 6 und 7 handelt es sich nach Angaben der atomkritischen Medizinervereinigung Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) um Siedewasserreaktoren der dritten Generation, konkret um Anlagen des Typs "Advanced Boiling Water Reactor" (ABWR). Dieser Reaktortyp weise schwerwiegende Sicherheitsmängel auf, so IPPNW.

Weltweit seien lediglich vier ABWR-Reaktorblöcke in Betrieb – alle befänden sich in Japan: Neben Kashiwazaki-Kariwa handle es sich um Block 2 des Atomkraftwerks im zentraljapanischen Shika und um Block 5 der im Südosten des Landes in der Präfektur Shizuoka gelegenen Anlage Hamaoka.

Zwei weitere ABWR-Reaktoren befinden sich laut IPPNW im taiwanesischen Kernkraftwerk Lungmen (Block 1 und 2) seit 1999 im Bau. (dpa/maw)

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