Ärzte Zeitung online, 10.01.2019

Fernbehandlung

Rhön plant Joint Venture mit Medgate

Der Klinikkonzern Rhön steigt in das Geschäft mit digitalen Arztbesuchen ein – und will Marktführer in Deutschland werden.

BAD NEUSTADT. Die Rhön Klinikum AG baut ihr Geschäft mit ambulanter medizinischer Versorgung jetzt überregional aus: Möglich machen das die neuen telemedizinischen Perspektiven, die der Ärztetag 2018 mit der Lockerung des berufsrechtlichen Verbotes der ausschließlichen Fernbehandlung eröffnet hat.

Am Donnerstag kündigte Rhön an, ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Schweizer Telemedizin-Anbieter Medgate gründen zu wollen. An „Medgate Deutschland“ werde Rhön mit 51 Prozent die Mehrheit halten. Auf den Schweizer Partner entfallen 49 Prozent. Finanzielle Details des Joint-Venture-Vorhabens werden nicht veröffentlicht.

Als Geschäftszweck der Medgate Deutschland werden zunächst nur „Behandlungen per Telefon, Internet oder Videoschaltung“ genannt. Dass dabei auch Synergien zu den sonstigen ambulanten und stationären Angeboten der Rhön Gruppe gehoben werden sollen, ist zu erwarten. Woran Konzernchef Stephan Holzinger keinen Zweifel lässt.

Man strebe nichts weniger als „die Marktführerschaft im Bereich telemedizinischer und digital-medizinischer Dienstleistungen in der Bundesrepublik an“, heißt es. Holzinger: „Medgate Deutschland hat das Potenzial, sich zu einem wichtigen zusätzlichen Geschäftsfeld für unser Unternehmen zu entwickeln. Wir erweitern mit diesem Angebot unsere Wertschöpfungskette auf sinnvolle Weise.“

Einen Starttermin für den operativen Betrieb von Medgate Deutschland gibt es noch nicht, da die Vertragsverhandlungen noch nicht abgeschlossen sind. Damit sei voraussichtlich bis zum Sommer zu rechnen, verlautet aus Unternehmenskreisen. Dann soll es aber auch „recht schnell losgehen“.

Das Potenzial für telemedizinische Dienstleistungen sei jedenfalls auch in Deutschland „riesig“, wie Medgate-CEO Dr. Andy Fischer verlauten lässt. „In der Schweiz hat heute fast jeder krankenversicherte Einwohner Zugang zu telemedizinischen Dienstleistungen und diese werden rege genutzt.“ Die berufsrechtliche Lockerung des Fernbehandlungsverbotes sowie die gesetzgeberisch bereits angekündigte Einführung des elektronischen Rezepts erlaubten „nun eine solche Entwicklung auch in Deutschland“.

Neben der Joint-Venture-Gründung in Deutschland prüft Rhön aber auch eine generelle Beteiligung an der Medgate Holding AG oder an einer ihrer Tochterfirmen oder auch, wie es weiter heißt, die Gründung einer weiteren gemeinsamen IT-Gesellschaft. Medgate, Betreiber der Digitalsprechstunde „Medgate Tele Clinic“, wurde 1999 gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben aktuell 330 Mitarbeiter, darunter über 100 Ärzte. Außer in der Schweiz ist das Unternehmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien, den Philipinen und der Slowakei aktiv. (cw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »