Direkt zum Inhaltsbereich

Antibiotika

NDR prangert träge Pharmaforschung an

Antibiotikaentwicklung ist riskant, teuer und bringt wirtschaftlich wenig ein: Der Befund ist nicht neu, aber unverändert aktuell.

Veröffentlicht:

HAMBURG/BERLIN. Wird die Pharmaindustrie ihrer Verantwortung nicht gerecht, neue Antibiotika zu entwickeln? So zumindest insinuiert ein NDR-Bericht, den das TV-Magazin „Panorama“ am Donnerstagabend ausstrahlen wollte. Darin heißt es, von den rund 100 Unternehmen, die 2016 eine Allianz des internationalen Pharmaverbandes IFPMA zum Kampf gegen Resistenzen unterzeichneten („AMR Industry Alliance“), hätten sich nahezu die Hälfte inzwischen aus der Antibiotikaforschung verabschiedet. Von den 25 weltweit größten Arzneimittelherstellern arbeiten nach NDR-Recherchen nurmehr noch vier – MSD, GlaxoSmithKline, Otsuka und die Roche-Tochter Genentech – an neuen Antibiotika. Und von den rund 50 kleinen und mittelständischen Firmen, die zu den Mitunterzeichnern der „Industry Alliance“ zählten, hätten „mehr als 20 die Forschung in diesem Bereich aufgegeben oder sind mittlerweile insolvent“.

In dem Bericht wird die WHO-Beraterin Ursula Theuretzbacher mit der Aussage zitiert, „der Ausstieg der großen Konzerne sei ‚nicht verantwortungsvoll‘“. Ein Vorwurf, den IFPMA-Generaldirektor Thomas Cueni zurückweist – ohne freilich die Misere als solche zu dementieren. NDR-O-Ton: „Es gebe zurzeit einfach keinen Markt für Antibiotika. Er kenne keine Firma, die gegenüber ihren Eignern verantworten könne, in Bereiche zu investieren, wo das Risiko sehr hoch sei, dass die Forschung nicht erfolgreich sei – und falls doch, kriege man kein Geld dafür, sagt Cueni.“

Der Verband, dem Cueni vorsitzt, hat wiederholt auf die Notwendigkeit hingewiesen, die industrielle Antibiotikaforschung öffentlich stärker zu fördern, etwa durch Finanzhilfen für präklinische Projekte, Prämien für Zulassungserfolge oder attraktive Erstattungsmodelle, zu denen auch die Herausnahme antibiotischer Präparate aus stationären Behandlungspauschalen verstanden wird.

Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) nimmt den NDR-Bericht zum Anlass, gleichfalls mehr Unterstützung einzufordern. „Fakt ist, dass sich die Entwicklung neuer Antibiotika kaum refinanzieren lässt, da diese nur im Notfall eingesetzt werden“, so Dr. Siegfried Throm vfa-Geschäftsführer Forschung. „Das Anreizsystem zur Entwicklung von Antibiotika muss verbessert werden“; das betreffe „insbesondere die adäquate und zeitnahe Vergütung neuer Antibiotika“.

Den Eindruck jedoch, dass sich in der Pharmaforschung gar nichts tue, will Throm so nicht stehen lassen. 44 Antibiotika- und Antiinfektiva-Projekte weist der vfa aus, die aktuell in der klinischen Phase II oder weiter sind, sowie 18 Projekte zu neuen Impfstoffen gegen bakterielle Infektionen(ebenfalls ab Phase II). Throm: „Ein wesentlicher Teil der laufenden Antibiotikaprojekte richtet sich gegen die von der WHO priorisierten Problemkeime.“ (cw)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Praxiswissen Geldanlage

Das Comeback der Anleihen

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Logo vom ÄrzteTag extra der Ärzte Zeitung mit dem Porträt des Podcast-Gesprächspartners Reinhard Pfingsten von der apoBank

© apoBank

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Wie können Ärztinnen und Ärzte das neue Altersvorsorgedepot für den Ruhestand nutzen, Herr Pfingsten?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deutscher Apotheker- und Ärztebank (apoBank)
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Therapie mit Glukokortikoiden

Was beim Absetzen von Steroiden zu beachten ist

Abrechnung nur noch über EBM?

Ambulantes Operieren: Regierung plant Ende der Hybrid-DRG

Lesetipps
Ein Mann muss aufstoßen und hält sich die Hand vor den Mund.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Vier Ursachen im Überblick

Häufiges Aufstoßen: Woher es kommen kann und wie therapiert wird