Ärzte Zeitung online, 08.10.2019

E-Dampf

Branche warnt vor illegalen E-Joints

Die E-Zigaretten-Branche geht angesichts der Todesfälle in den USA in die Informationsoffensive. Sie befürchtet offensichtlich einen Imageverlust in Deutschland.

Von Matthias Wallenfels

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Bunt und in manchen Fällen auch tödlich? In den USA sichergestellte, illegale E-Joints.

© New York State Department of Health / VdeH

BERLIN. Die Diskussion um unmittelbar tödliche Folgen des E-Zigaretten-Konsums in den USA ist längst nach Europa übergeschwappt. So legten zum Beispiel die europäischen Pneumologen zum ERS-Kongress in Madrid eine spontane Sondersitzung ein – verbunden mit einer klaren Absage an den E-Dampf.

Statt allgemeiner Panikmache vor den E-Zigaretten setzt die Branche lieber auf gezielte Aufklärung der Bevölkerung. Denn, so der Verband des eZigarettenhandels (VdeH), bei den insinuierten Lösungen handle es sich um illegale und gestreckte Cannabis-Produkte („E-Joints“), die auch in Deutschland nicht offiziell über die Ladentheke gehen dürften.

Verband will Abgrenzung verdeutlichen

Der VdeH warnt seinerseits vor dem Konsum illegaler „E-Joints“. Gleichzeitig betont er den fundamentalen Unterschied zur herkömmlichen E-Zigarette und mahnt die Aufklärung von Verbrauchern an.

VdeH-Vorsitzender Michael Dobrajc verdeutlicht: „‘E-Joints‘ sind keine E-Zigaretten. Rein äußerlich ähneln diese Cartridges zwar der herkömmlichen E-Zigarette, tatsächlich aber handelt es sich um zwei gänzlich verschiedene Produkte.“

Im Fachhandel angebotene E-Zigaretten und nikotinhaltige Flüssigkeiten (Liquids) unterlägen gesetzlichen Kontrollen und einer strengen Regulierung, so Dobrajc. Für die „E-Joints“ gelte das nicht, ihre THC-haltigen Flüssigkeiten seien potenziell lebensgefährlich.

Sie sind auch dem Verband ein Dorn im Auge. „Illegale ‚E-Joints‘ können einen unbekannten Cocktail aus Betäubungsmitteln, Pestiziden und anderen gesundheitsschädlichen Stoffen enthalten. Wir raten deshalb dringend vom Erwerb und vom Konsum von ‚E-Joints‘ ab“, so Dobrajc.

Ausschlaggebend für die jüngsten Todesfälle in den USA sei laut Untersuchungen von US-Behörden der Einsatz zähflüssiger Streckmittel, die sich ausschließlich in den THC-haltigen Ölen für „E-Joints“ fänden.

Laut übereinstimmenden Berichten handle es sich dabei um Vitamin-E-Acetat, das sich nicht für die Inhalation eigne und Käufern einen hohen THC-Gehalt suggerieren sollte. Solche fetten Öle (Lipide) könnten zu einer Lipidpneumonie führen. Reguläre Liquids in Deutschland enthielten keine Lipide, betont der Verband.

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