Ärzte Zeitung, 16.02.2015

Novellierung

Klinikeinweisungen werden künftig zum Zeitfresser

BERLIN. Eine Novellierung der Krankenhauseinweisungs-Richtlinie (KE-RL), die der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) noch Ende Januar beschlossen hat, sorgt für Ärger.

Denn künftig müssen Vertragsärzte vor einer Klinikeinweisung alle ambulanten Behandlungsangebote als Alternative in Erwägung ziehen - unabhängig davon, ob sie diese überhaupt kennen können. Das sei "im Praxisalltag nicht zu leisten", so KBV-Vorstand Regina Feldmann.

Doch die KBV kritisiert nicht nur den zusätzlichen Recherche-Aufwand für die Ärzte. Durch die neue Regelung entstehe obendrein das Risiko, dass Vertragsärzte sich im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsprüfung für Klinikeinweisungen rechtfertigen müssten.

Hintergrund der Überarbeitung durch den GBA war nach Angaben der KBV, dass man die vielen neu entstandenen ambulanten Angebote abbilden und sie von der stationären Behandlung abgrenzen wollte.

Denn immer mehr Untersuchungen und Behandlungen könnten heute ambulant durchgeführt werden. Als Beispiel führt die KBV die ambulante spezialfachärztliche Versorgung an, in der neben Klinikärzten auch Vertragsärzte tätig sein können.

Die KBV habe sich in den Beratungen zur Neufassung dafür eingesetzt, dass Vertragsärzte bei der Abwägung, welche ambulanten Behandlungsformen alternativ zur Klinikbehandlung infrage kommen, nur die ihnen bekannten Behandlungsangebote berücksichtigen müssen.

"Damit konnte sich die KBV jedoch nicht gegen den GKV-Spitzenverband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft durchsetzen", heißt es.In Kraft tritt die Richtlinie übrigens mit ihrer Veröffentlichung im Bundesanzeiger. (reh)

[17.02.2015, 13:12:08]
Ulrich Schwille 
Da darf sich der Rettungsdienst dann wieder freuen...
dann werden wir in Zukunft nicht nur während der Praxisschließzeiten sondern auch tagsüber deutliche Einsatzzuwächse beim Rettungsdienst erfahren. Patienten werden dann mit dem Hinweis nach Hause geschickt: "Sie müssten eigentlich ins Krankenhaus, damit wir ihre Befunde schnell und umfassend haben, aber ich darf sie nicht so ohne weiteres einweisen und es belastet mein Budget, gehen sie doch einfach nach Hause, trinken noch einen Kaffee und rufen dann die 112, die müssen sie sofort ins Krankenhaus bringen".

Narri. narro!!!!

U. Schwille
FA Anästhesie und Notfallmedizin zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »