Ärzte Zeitung online, 13.10.2017
 

Ärztenetz Lippe

"App zum Doc" bringt Patienten online zum Arzt

Über eine selbst entwickelte App bündeln Ärzte in Westfalen-Lippe Online-Kontakte mit Patienten. Auch Online-Termine sind möglich.

DORTMUND. Ärzte in Lippe haben ein neues Instrument für die Vernetzung entwickelt. Die "App zum Doc" ermöglicht Praxen die schnelle Kommunikation mit den Patienten und gleichzeitig den sicheren und geschützten Austausch der Ärzte untereinander. Sie wird bislang hauptsächlich im Ärztenetz Lippe eingesetzt, steht grundsätzlich aber allen interessierten Ärzten offen.

Die App steht seit April 2016 zur Verfügung. "Am Anfang stand der Gedanke, die Service-Angebote der Praxen für die Patienten zu verbessern", erläuterte Constanze Liebe, Geschäftsführerin des Ärztenetzes Lippe, auf dem Digitalisierungskongress der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe in Dortmund. Die Patienten können bei teilnehmenden Ärzten online Termine vereinbaren, Wiederholungsrezepte oder Überweisungen bestellen. "Die Patienten können vor dem Arztbesuch ihren Medikationsplan in die Praxis schicken", sagte Liebe.

Ein wichtiges Ziel sei es, mit dem verbesserten Service für Patienten gleichzeitig das Personal in den Praxen zu entlasten, die Online-Anfragen reduzieren die Zahl der Telefonate. Die Informationen aus der App laufen allerdings nicht direkt in die Praxissoftware ein, sie müssen von den Praxismitarbeiterinnen eingegeben werden. Die Patienten können die Termine nicht selbst buchen, sondern schicken ihre Anfrage an die Praxis und erhalten dann eine Rückmeldung. "Dafür gibt es eine Chatfunktion."

"App zum Doc" sei eine Möglichkeit für die Ärzte, sich mit ihren Angeboten für die Patienten sichtbarer zu machen, erläuterte Liebe. Das ist aber nicht das einzige Einsatzfeld für die Anwendung. "Schnell kam der Wunsch der Ärzte nach einem geschützten internen Raum auf." Seit dem Relaunch im Mai 2017 ist das über eine Cloudlösung möglich, die etwa das Palliativnetz Lippe für den Datenaustausch nutzt.

Inzwischen gibt es über die App auch eine mobile Lösung für die vom Ärztenetz in Bünde Medizin und Mehr (MuM) entwickelte Videosprechstunde elVi®. Der Patient ruft die Videokonferenz per App auf, der Arzt sitzt weiterhin am Computer. "Nicht jeder Patient hat einen Laptop mit Kamera", sagte Liebe. Eine weitere Option sei es, künftig über die App Videokonferenzen zwischen Ärzten zu organisieren.

Die App ist modular aufgebaut. "Jeder Arzt kann freischalten, was er will." Manche sind nur mit den Angaben zu ihren Praxen präsent, andere nutzen die Terminvergabe, den elektronischen Medikationsplan oder die Übermittlung von Bildbefunden. Die Kosten für den Arzt richten sich nach dem Umfang der Nutzung, die Patienten müssen für die App nichts bezahlen. Inzwischen gibt es nach Angaben von Liebe "einige tausend" Nutzer. (iss)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

FDP-Chef gibt den "Bastafari" – Steinmeier gegen Neuwahlen

Die FDP ist aus den Jamaika-Gesprächen ausgestiegen. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier erteilt schnellen Neuwahlen eine Absage. KBV-Chef Gassen fordert Tempo. mehr »

Mit Kohlenhydrat-Tagen die Insulinresistenz durchbrechen

Typ-2-Diabetiker mit schwerer Insulinresistenz können vom Prinzip einer hundert Jahre alten Haferkur profitieren. Erfahrungsgemäß sprechen 70 Prozent der Betroffenen darauf an. mehr »

Kliniken in Nordrhein sind Vorreiter beim E-Arztbrief

Der Klinikbetreiber Caritas Trägergesellschaft West zählt zu den Vorreitern des elektronischen Arztbriefes über KV-Connect. Viele Niedergelassene sind bereits angeschlossen. mehr »