Ärzte Zeitung, 09.03.2011

Versicherung von Kindern lohnt nicht per se

Auch wenn die Namen der Policen "Tabaluga", "Biene Maja" oder "Fix&Foxi" hübsch klingen - Ärzte sollten beim Abschluss spezieller Renten- oder Ausbildungsversicherungen für Kinder vorsichtig sein. Denn die Verträge haben mitunter Tücken.

Von Anne-Christin Gröger

Versicherung von Kindern lohnt nicht per se

Bei der finanziellen Absicherung von Kindern kommt es - wie in der Chemie - auf den richtigen Mix an.

© Photodisc

KÖLN. Viele Ärzte sind besorgt über die finanzielle Zukunft ihres Nachwuchses. Ein neues Auto, ein Auslandsaufenthalt oder das Studium können schnell zehntausende Euro kosten - und wer soll das einmal bezahlen? Diese Bedenken wissen die Versicherer schon lange für sich zu nutzen.

Sie haben besondere Rentenpolicen für Kinder entwickelt und versuchen, Eltern oder Großeltern mit fröhlichen Comic-Helden zu locken. Ihre Botschaft: Wem an der finanziellen Sicherheit der Kinder gelegen ist, der muss frühzeitig anfangen zu sparen.

Versicherer locken Kunden mit großer Flexibilität an

Die Idee klingt gut: Großeltern oder Eltern schließen für den Nachwuchs einen Vertrag ab und zahlen monatlich einen festen Betrag ein. Nach einer gewissen Zeit, oft mit Eintritt der Volljährigkeit, kann sich das Kind das angesparte Geld entweder auszahlen lassen oder als eigene Rentenversicherung weiterführen.

Stirbt der Zahler vor Ende der Laufzeit, übernimmt der Versicherer die Prämien. "Das macht unsere Police für Kunden so attraktiv", sagt ein Allianz-Sprecher.

"Ein weiterer Vorteil ist, dass Eltern oder Großeltern ohne Probleme Geld aus dem Vertrag entnehmen können, wenn eine teure Anschaffung ansteht." Außerdem könne das Kind so bequem eine eigene Rente ansparen, mit dem finanziellen Polster, das schon die Großeltern angelegt haben.

Das Problem: Viele dieser Verträge kombinieren eine Rentenversicherung mit anderen Policen. Bei der Nürnberger Biene-Maja-Versicherung können Ärzte wählen, ob sie eine Schul- und Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Pflegepolice oder eine Krankenzusatzversicherung noch dazu buchen möchten. Bei der Enkel Police der Allianz sind Krankenzusatz- und Unfallversicherung Bestandteil einer fondsgebundenen Rentenversicherung.

Verbraucherschützer kritisieren die Verbindung von Sparen und Versichern. "Die Angehörigen möchten ja vor allem Geld für ihr Kind zurücklegen und weniger eine Versicherung abschließen", sagt Gabriele Zeugner, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bremen.

Angespart werde jedoch in den ersten Jahren kaum etwas. "Vor allem Abschluss- und Verwaltungskosten für die Police schlagen zu Buche und mindern die Rendite ganz gewaltig."

Beim Biene-Maja-Junior-Schutzbrief der Nürnberger müssen Eltern oder Großeltern sich eine Garantie erkaufen, indem sie im Vertrag eine Beitragserhaltung vereinbaren. Solche Zusatzleistungen kosten meistens extra.

Bei der Allianz Enkel Police gibt es überhaupt keine Garantie. Wenn es schlimm kommt, haben Versicherte also Tausende von Euro in die Fondspolice eingezahlt und sehen von ihrem Geld nichts wieder.

Auch von den Berechnungen in den Werbeprospekten der Anbieter sollten sich Ärzte nicht in die Irre führen lassen. In den Broschüren rechnen die Versicherer teilweise mit bis zu zehn Prozent Rendite und werben damit, dass das Kind bei Rentenantritt schon Millionär ist. Wer jedoch ins Kleingedruckte schaut, kann lesen, dass es sich um Beispielrechnungen ohne Garantie handelt.

Lange Laufzeiten führen zu hohen Abschlusskosten

Ein weiteres Problem der Kinderrenten sind die langen Laufzeiten der Policen. Sie führen einerseits zu horrenden Abschlusskosten, die sich angesichts langer Einzahlzeiten anhand der Prämien errechnen. Andererseits können auch die umsichtigsten Großeltern nicht ahnen, wie die Welt in 40 Jahren aussieht.

Möglicherweise hat das Kind überhaupt keine Lust oder kein Geld, die Rentenversicherung zu bedienen. Und wer die Police kündigt, dem drohen hohe Verluste bei den bereits eingezahlten Beträgen. Besser sei es, den Vertrag beitragsfrei zu stellen, raten Verbraucherschützer.

Es gebe gute Alternativen, Geld für das Kind oder den Enkel zurückzulegen. Wer Geld für sein Kind zurücklegen will, sollte das nicht über eine Police machen, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

Investitionsmöglichkeiten könnten je nach Risikofreude ein Tagesgeldkonto, ein Bundesschatzbrief oder auch riskantere Anlagen in Fonds sein.

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