Ärzte Zeitung, 12.05.2012

DKV hadert mit Tarifvielfalt und fehlenden Neukunden

Dem PKV-Anbieter DKV sterben die Kunden weg, die Marktanteile schrumpfen. Dennoch gibt er sich kämpferisch.

DKV hadert mit Tarifvielfalt und fehlenden Neukunden

DKV-Zentrale in Köln: Nicht so aggressiv wie andere.

© Oliver Berg / dpa

KÖLN (hf). Der private Krankenversicherer Deutsche Krankenversicherung (DKV) hat 2011 erneut Kunden in der Vollversicherung verloren. Statt 911.000 Ende 2010 hatte das Unternehmen ein Jahr später nur noch 900.000 Kunden in der Kernsparte.

Die DKV verliert seit Jahren Marktanteile, ein Grund sind die alten Bestände - ihr sterben mehr Kunden weg, als sie neu gewinnen kann. Außerdem habe sich das Unternehmen im Neugeschäft "vernünftig verhalten", sagte Vorstandschef Dr. Clemens Muth.

"Wir haben uns eben nicht daran beteiligt, in bestimmten Marktsegmenten wie dem Maklerbereich besonders aggressiv zu sein", sagte er. Die DKV gehört zu Ergo und damit zur Munich Re. Nach Beitragseinnahmen ist sie der größte private Krankenversicherer, nach der Zahl der Vollversicherten liegt die Debeka vorne.

Die DKV sieht die gesamte PKV vor einer Konsolidierung - doch müssten dafür Gesetze geändert werden, forderte Muth. "Das Verbot, Tarife zusammenzulegen, muss aufgehoben werden."

Ältere Krankenversicherer wie die DKV haben zahlreiche Tarife, dazu kommen noch die von übernommenen Firmen. Doch selbst wenn sie sich nur in Kleinigkeiten unterscheiden, dürfen die Versicherer die Tarife nicht zusammenführen.

Bekenntnis zum dualen System

"Die Zusammenlegung würde Kosten senken und die Konsolidierung im Markt fördern", sagte Muth. Denn wenn heute eine Gesellschaft eine andere übernimmt, holt sie sich weitere zig Tarife ins Haus, die sie bis zum Tod oder Ausscheiden des letzten Versicherten weiterführen muss.

2011 erzielte das Kölner Unternehmen 113 Millionen Euro Gewinn nach Steuern, verglichen mit 115 Millionen Euro im Vorjahr. Der allergrößte Teil davon stammt allerdings aus dem Gewinn, den die DKV beim Verkauf ihrer Auslandstöchter an die Konzernmutter Munich Re erzielte.

Die genaue Summe nannte Muth nicht, sie dürfte bei deutlich über der Hälfte des Gewinns liegen. Damit konnten Belastungen aus der Abschreibung von Griechenland-Papieren und anderen Anlagen ausgeglichen werden.

Muth gab ein Bekenntnis zum dualen System aus gesetzlichen und privaten Krankenversicherern in Deutschland ab. Die PKV könne nicht alles alleine, aber die zwei Systeme nebeneinander sorgten für die optimale Gesundheitsversorgung.

Die Kritik an den privaten Krankenversicherern sei dennoch zum Teil berechtigt, so Muth. Er sprach sich gegen Billigtarife aus, die oft schlechtere Leistungen als die gesetzlichen Kassen bieten. Die DKV hat ihre eigenen Billigtarife 2011 eingestellt.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Versorgung psychisch kranker Kinder ist ein Flickenteppich

Der Trend bei den psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen ist stabil. Eine einheitliche Versorgungslandschaft besteht in Deutschland aber nach wie vor nicht. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie können sie für eine Impfung gewonnen werden? mehr »

Mama leckt den Schnuller ab – kein Tabu

Botschaft einer neuen US-Studie: Das Ablutschen kann Vorteile fürs Immunsystem der Kinder haben. mehr »