Ärzte Zeitung, 09.07.2014

Der konkrete Fall

Unfallpolicen zeigen sich als "Renditekiller"

In die Unfallversicherung einzahlen und am Ende der Laufzeit das Geld plus Zinsen zurück, ist das ein gutes Geschäft? "Unfug", mahnen Verbraucherschützer.

Frage: Mein Bankberater hat mir wegen der niedrigen Zinsen eine Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr als Kapitalanlage empfohlen. Ist das sinnvoll?

Antwort: Unfallversicherungen mit Beitragsrückgewähr sehen auf den ersten Blick nach einem guten Geschäft aus: Der Kunde erhält einen Unfallschutz. Das heißt, wenn er verunglückt und dabei dauerhafte Schäden davonträgt, leistet der Versicherer eine Einmalzahlung. Am Ende der Laufzeit versprechen die Gesellschaften die Rückerstattung der gezahlten Prämien - zuzüglich einer Beteiligung an den Überschüssen, die der Versicherer erwirtschaftet hat.

Verbraucherschützer raten jedoch dringend von solchen Policen ab. "Das ist Unfug", sagt Axel Kleinlein, Chef des Bundes der Versicherten (BdV). In Wahrheit schließen die Versicherten nicht eine, sondern zwei Policen ab: Eine Unfallversicherung und eine Kapitallebensversicherung. Letztere garantiert die Rückzahlung der Beiträge.

Lebenspolicen seien generell keine sonderlich gute Form der Geldanlage. Denn die Kosten sind hoch und die Rendite dürftig. Auf neu abgeschlossene Verträge garantieren die Versicherer derzeit nur eine Verzinsung von 1,75 Prozent auf den Sparanteil an den Prämien. Anfang nächsten Jahres soll der Garantiezins gar auf 1,25 Prozent sinken.

Neben der garantierten Leistung beteiligen die Versicherer ihre Kunden zwar noch an ihren Überschüssen. Die sind aber nicht über die gesamte Laufzeit garantiert, sondern werden jedes Jahr neu festgesetzt. Und: Die Überschussbeteiligung sinkt seit Jahren.

Die Kombination mit einer Unfallpolice mache die Versicherung noch unrentabler, so Kleinlein vom BdV. "Die Unfallversicherung ist ein Renditekiller", sagt er. Dadurch, dass ein Teil der Beiträge in den Risikoschutz fließt, falle die Verzinsung noch schlechter aus als bei einer reinen Lebensversicherung. (frk)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Von der Party in die Notaufnahme

Nach reichlichem Genuss von Energy-Drinks entwickelt ein junger Patient einen Infarkt. Die Diagnostik zeigt einen überraschenden Befund - und wirft zusätzlich Fragen auf. mehr »

Webbasierter Arzneiplan bindet Pflege ein

Der schnelle Austausch zwischen Ärzten, Pflegern und Apotheken kann die Qualität der Arzneitherapie um 25 Prozent verbessern. Das zeigt das Projekt InTherAKT aus Münster. mehr »

Kleine Blutungen sind kein Grund, die Antikoagulation abzusetzen

Unter oraler Antikoagulation haben Patienten häufig Nasenbluten und andere kleinere Blutungen. Bedenklich sind solche lästigen Zwischenfälle aber nicht, bestätigt eine Registerstudie. mehr »