Ärzte Zeitung, 10.02.2016
 

Demenz

 Haftpflicht-Versicherer kann Leistung verweigern

Eine Demenz muss dem Haftpflichtversicherer meist nicht gemeldet werden. Bei einem Schaden kann dieser aber die Leistung versagen.

Frage: Muss ich die Demenzerkrankung meines Vaters bei seinem Haftpflichtversicherer anzeigen, oder ist das nicht sinnvoll?

Antwort: Die meisten Haftpflichtversicherer klassifizieren die Demenz nicht als anzeigepflichtig ein, das heißt die Kunden müssen sie nicht über die Diagnose informieren. Da Demenzerkrankungen aber Auswirkungen auf die Geschäfts- und Haftungsfähigkeit der Patienten haben, sollten die Policen frühzeitig auf Ausschlüsse überprüft werden, empfiehlt Bärbel Schönhof, die zweite Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Der Verzicht auf eine Anzeigepflicht nutze vor allem dem Versicherer. "Versicherungsunternehmen kassieren weiter die Prämien, lehnen eine Zahlung im Schadenfall aber ab, mit der Begründung der Deliktunfähigkeit des Versicherten."

Schönhof empfiehlt Patienten oder ihren Angehörigen, Kontakt mit dem Versicherer aufzunehmen und Sonderregelungen zu vereinbaren. "Wer bei seinem Versicherer nachfragt, kann in vielen Fällen für ein paar Euro mehr im Jahr Deliktunfähigkeit mitversichern", sagt sie.

Eine solche Ergänzung kann nach ihrer Erfahrung auch sinnvoll sein, um bei Patienten, die zuhause gepflegt werden, das gute Verhältnis zu den Nachbarn nicht zu gefährden. Das kann leicht passieren, wenn der Demenzkranke einen Schaden anrichtet, der Nachbar aber keinen Anspruch auf Schadenersatz hat.

Die Haftpflichtversicherung sollte auch dann nicht gekündigt werden, wenn der Versicherer keine Zusatzoption anbietet oder Kunden den Aufpreis nicht zahlen wollen, so Schönhof. Denn zu der Deckung gehört auch, dass der Versicherer unberechtigte Ansprüche auf eigene Kosten abwehren muss. (noe)

Topics
Schlagworte
Versicherungen (1095)
Demenz (1913)
Krankheiten
Demenz (3093)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »