Ärzte Zeitung, 09.06.2006

HERZINSUFFIZIENZ

Für Verdacht auf Herzinsuffizienz genügen wenige Symptome

An soliden Kenntnissen zur Herzinsuffizienz-Therapie kommt heute kein Hausarzt vorbei. Denn mit etwa zehn Millionen Patienten in Europa hat sich die Herzinsuffizienz zu einer Volkskrankheit entwickelt. Worauf es bei der Diagnostik und Therapie ankommt, das sagt Dr. Till Neumann vom Herzzentrum Essen in seinem Online-Vortrag.

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Hauptursache der Herzinsuffizienz ist bei mehr als der Hälfte der Patienten eine KHK mit einer arteriellen Hypertonie. Diagnostiziert wird eine Herzinsuffizienz weitgehend anhand der Symptome. Neumann unterscheidet in seinem Vortrag zwischen Kriterien erster und zweiter Ordnung. Zur ersten Ordnung zählt er etwa eine paroxysmale nächtliche Dyspnoe oder Orthopnoe, eine Halsvenenstauung, pulmonale Rasselgeräusche oder einen dritten Rasselton.

Weniger spezifisch sind Befunde wie ein Unterschenkelödem, nächtlicher Husten oder eine Belastungsdyspnoe - diese zählt er zu den Kriterien zweiter Ordnung.

Und wann genau liegt der Verdacht auf eine Herzinsuffizienz nahe? Das ist der Fall, wenn zwei Kriterien erster Ordnung oder ein Kriterium erster plus zwei Kriterien zweiter Ordnung bestehen. Der Verdacht muß jedoch durch objektive Tests bestätigt werden, so Neumann. Dabei stellt die Echokardiographie die wichtigste nichtinvasive Methode zur Dokumentation einer kardialen Dysfunktion dar.

Die Therapie beruht nach den aktuellen Leitlinien auf mehreren Standbeinen. Das oberste Behandlungsziel - eine Lebensverlängerung - wird medikamentös nachweislich durch ACE-Hemmer und Betablocker erreicht. Zu ACE-Hemmern wird ausdrücklich bei Patienten geraten, die nach einem Herzinfarkt eine Herzinsuffizienz entwickelt haben. Bei den Betablockern werden bisher Carvedilol, Metoprolol und Bisoprolol empfohlen. Seit kurzem ist auch Nebivolol bei Herzinsuffizienz zugelassen, und zwar bei Patienten, die 70 Jahre und älter sind. Betablocker können sogar bei Herzinsuffizienz-Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankungen gegeben werden, bei Asthma bronchiale sind sie allerdings kontraindiziert.

Für AT1-Rezeptor-Blocker ist nach den bisherigen Daten bei Herzinsuffizienz zumindest von einer Minderung der Hospitalisationsrate auszugehen. Diuretika sind für symptomatische Patienten mit Ödemen sehr wichtig. Aldosteron-Agonisten wirken lebensverlängernd und sind bei schwerer Herzinsuffizienz eine Option. (run/Rö)

Den Vortrag finden Sie im Internet unter www.qaef-akademie.de. Schauen Sie unter "Aktuelle Vorträge" - "Medizinische Themen "Kardiologie" - "Herzinsuffizienz".

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