Hausarzt-Versorgung

Fokus auf chronische Krankheiten

Die hausärztliche Versorgung soll stärker auf die Behandlung chronischer Krankheiten sowie auf Prävention und Rehabilitation ausgerichtet sein. Interprofessionalität soll ein Markenzeichen sein, so der Ärztetag.

Veröffentlicht: 25.05.2017, 14:35 Uhr

FREIBURG. Die Sicherstellung der flächendeckenden wohnortnahen Versorgung durch Hausärzte stellt nach Auffassung des 120. Deutschen Ärztetages eine "große Herausforderung" dar. Seit Jahren liegt die Zahl abgeschlossener Weiterbildungen im Fach Allgemeinmedizin bei etwa 1100 bis 1300 – deutlich zu wenig, um den Bedarf in einer alternden Gesellschaft nachhaltig zu decken. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an die Versorgung – qualitativ und quantitativ.

Nun hat sich der Ärztetag dafür ausgesprochen, sich bei der Erarbeitung konzeptioneller Vorschläge an diesen Leitgedanken zu orientieren:

- Stärkere Ausrichtung der hausärztlichen Versorgung – unter Berücksichtigung des bisherigen Behandlungsspektrums – auf die Betreuung und Behandlung chronisch kranker Patienten sowie auf Prävention und Rehabilitation;

- Einbindung anderer Berufsgruppen in die Praxisteams;

- Weiterentwicklung intra- und interprofessioneller regionaler Versorgungsstrukturen, einschließlich sektorübergreifender Versorgung;

- Kooperation mit regionalen Strukturen der Gesundheits-, Pflege- und Sozialberatung sowie Integration von E-Health- und telemedizinischer Strukturen in die Versorgung;

- Förderung der Gesundheitskompetenz der Patienten und ihres sozialen Umfeldes;

- Anpassung der Vergütungsstruktur an die veränderten Versorgungskonzepte.

Hausärztliche geleitete interprofessionelle Praxisteams stellten eine wegweisende Möglichkeit dar, Praxisstrukturen breiter aufzustellen und andere Berufsgruppen stärker als bisher koordiniert in die Versorgung einzubeziehen.

Die Bundesärztekammer wird aufgefordert, ein Konzept für eine Versorgung durch ein hausarztgeleitetes interprofessionelles Versorgungsteam als Positionspapier der Ärzteschaft auszuarbeiten. Damit soll dem demographischen Wandel, aber auch den sich ändernden Präferenzen der jungen Ärztegeneration Rechnung getragen werden, heißt es in einem beschlossenen Antrag, (HL)

Kommentare
Uwe Wolfgang Popert

Ein Drittel des Ärztenachwuchses muss hausärztlich arbeiten lernen

Die oben genannten Ideen werden am rasch wachsenden Hausarztmangel NICHTS ändern. Sie lenken nur von der eigentlichen Lösung ab.
MFA -mit oder ohne Telerucksack- können Routine-Aufgaben bzw. ein abgegrenztes Aufgabenspektrum wahrnehmen, aber keine akut Kranken oder Multimorbidität behandeln.
Kaum ein Spezialist traut sich noch zu, seine Verpflichtung zum ärztlichen Bereitschaftsdienst wahrzunehmen - wie soll er da bei fachfremden Organsystemen helfen können?
Kurzum - nur frische Ärzte sind gut weiterzubilden. Und alleine zum Erhalt der derzeitigen Hausarzt-Zahlen brauchen wir etwa 1/3 des ärztlichen Nachwuchses!
Spezialisten haben wir ohnehin schon zu viele. (Sonst hätten diese es nicht nötig, so viele unnötige Diagnostik und Therapie durchzuführen)


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