Warum Cannabinoide zur Antiemese bei Krebs?

Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen sind ein zusammenhängender Symptomenkomplex, der zu den häufigsten und belastendsten Nebenwirkungen der medikamentösen Krebstherapie zählt. Neben der primären Prophylaxe stehen auch Cannabinoid-Arzneimittel für die Antiemese zur Verfügung – hier ist als einziges Cannabinoid Nabilon zugelassen [1, 2].

Veröffentlicht: 11.10.2019, 15:49 Uhr
Warum Cannabinoide zur Antiemese bei Krebs?

Übelkeit und Erbrechen können akut, verzögert oder auch antizipatorisch auftreten. Trotz der Empfehlungen für die primäre Antiemese-Prophylaxe können knapp 20 Prozent der Patienten unter hoch emetogener Tumortherapie jedoch nicht ausreichend therapiert werden [2].

Das als Fertigarzneimittel auch in Deutschland erhältliche Nabilon, ein vollsynthetisches Analogon des Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC), ist ein vergleichsweise gut untersuchtes Cannabinoid. Es ist bei chemotherapieinduzierter Übelkeit und Erbrechen (CINV) für Krebspatienten, die auf andere antiemetische Behandlungen nicht adäquat ansprechen, zugelassen [1, 3].

Klinisch interessant ist, dass Nabilon – wie Cannabinoide insgesamt – wie eine Art Breitband-Antiemetikum wirkt. Postuliert wird eine Wirkung gegen mehrere Transmitter, sodass sowohl die akute als auch die verzögerte Phase des Symptomkomplexes wirksam beeinflusst werden könnten [4].

Nabilon hat in einer Reihe von kontrollierten Studien eine gute Wirksamkeit bei CINV sowohl in der akuten als auch in der verzögerten Phase gezeigt. Es reduzierte die Häufigkeit des Erbrechens und den Schweregrad der Übelkeit bei Patienten mit schwerer und/oder refraktorischer CINV [5].

Cannabinoide wirken über das endogene Cannabinoid-System, das im Körper weit verbreitet und an vielfältigen physiologischen, homöostatischen und pathophysiologischen Mechanismen beteiligt ist. Für den antiemetischen Effekt scheint eine Interaktion der Cannabinoide mit dem Cannabinoid-Rezeptor Typ  1 (CB1) verantwortlich zu sein. CB1Rezeptoren sind im Gehirn, in den Zentren, die für Übelkeit und Erbrechen verantwortlich sind, sowie im enterischen Nervensystem exprimiert [4, 5].

Nabilon ist ein potenter CB1-Agonist, dessen Bindung an die präsynaptisch lokalisierten CB1-Rezeptoren nach heutigem Wissensstand die Ausschüttung verschiedener emetogener Transmitter verhindert [4, 5].

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