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AOK-Daten

Viele schwere COVID-19-Verläufe auch bei Jüngeren

AOK-Daten zeigen: Ein Drittel der im Krankenhaus behandelten COVID-19-Patienten sind jünger als 60 Jahre.

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Berlin. Das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei COVID-19 steigt mit dem Alter. Das zeigt eine Auswertung der Abrechnungsdaten von rund 52.000 stationär behandelten COVID-19-Patienten für den Krankenhaus-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Insgesamt waren 52 Prozent dieser Patienten 70 Jahre oder älter.

Allerdings sind auch viele schwere Krankheitsverläufe bei Jüngeren erkennbar: Ein Drittel der im Krankenhaus behandelten COVID-19-Patienten war jünger als 60 Jahre – und immerhin rund ein Viertel der Beatmeten entfiel auf diese Altersgruppe.

Die Beatmungsquote der mit COVID-19 im Krankenhaus behandelten Patienten steigt ab 50 Jahren deutlich an. Sie liegt bei den 60- bis 79-Jährigen mit 22 Prozent am höchsten. Dabei werden bei den 50- bis 69-Jährigen mit durchschnittlich 16 Tagen die längsten Beatmungsdauern erreicht – gegenüber zehn Tagen bei Menschen ab 80 Jahren.

Mortalität bei beatmeten Patienten deutlich höher

„Die Zahlen verdeutlichen, dass sich die Intensivstationen angesichts steigender Infektionszahlen schnell mit Menschen mittleren Alters füllen können, die noch nicht geimpft sind“, sagte Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), bei der Vorstellung der Ergebnisse. Ausgewertet wurden die Daten von AOK-versicherten Patienten, die von Februar bis November 2020 in den deutschen Kliniken behandelt worden sind.

18 Prozent der COVID-19-Patienten sind während des Krankenhausaufenthaltes verstorben. Unter den beatmeten Patienten war die Mortalität mit 51 Prozent deutlich höher als bei den nicht beatmeten Patienten mit 13 Prozent. Gegenüber der ersten Pandemiewelle zeigt sich, dass in den Monaten Oktober und November die Beatmungsquote von 17 auf 14 Prozent und die Sterblichkeit von 21 auf 18 Prozent sank. Dies werde auf die verbesserte medikamentöse Therapie (Einsatz von Dexamethason und konsequente Antikoagulation) zurückgeführt, so Jürgen Klauber.

Weiterer Forschungsbedarf

Zudem ist eine deutliche Verschiebung der Therapieverfahren festzustellen: Während in der ersten Pandemiewelle im Frühjahr drei Viertel der beatmeten Patienten (74 Prozent) zunächst invasiv beatmet wurden, waren dies im Oktober und November nur noch 39 Prozent.

Der Anteil der Patienten, die ausschließlich nicht-invasiv beatmet wurden, verdreifachte sich fast von 10 auf 28 Prozent. Die Sterblichkeit der beatmeten Patienten insgesamt sank jedoch nicht. „Wir haben gemeinsam mit der DIVI die vorliegenden Daten aufbereitet“, so Klauber. „Es gibt aber noch Forschungsbedarf zu der Frage, bei welchen COVID-19-Patienten wann welches Verfahren zum Einsatz kommen sollte“. (P. Willenborg)

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