Notfallmedizin

Ärzte erproben verzögerte Reanimation nach Kälte-Behandlung bei Notfall-Patienten

US-Ärzte wollen mehr Schwerstverletzte am Leben halten und erproben eine Behandlung, bei der das Blut der Patienten gegen eine Salzlösung ausgetauscht und der Körper auf 10 bis 15 Grad gekühlt wird.

Veröffentlicht: 22.11.2019, 16:51 Uhr

Baltimore / Berlin. Mit Kälte und Salzlösung wollen US-Mediziner mehr Schwerstverletzte am Leben halten. Sie erproben seit einigen Jahren eine Behandlung, bei der das Blut der Patienten gegen eine Salzlösung ausgetauscht und der Körper auf 10 bis 15 Grad gekühlt wird, wie das Magazin „New Scientist“ berichtet. Weil durch die Kälte Abbauprozesse in den Zellen gestoppt werden, nehme das Gehirn weniger Schaden. Ärzte bekämen so mehr Zeit, lebensrettende Operationen durchzuführen.

Bei wie vielen Patienten das Verfahren bereits getestet wurde und wie viele von ihnen überlebten, sagte Studienleiter Professor Samuel Tisherman von der University of Maryland School of Medicine dem Bericht zufolge nicht. Er hoffe, bis Ende 2020 Ergebnisse veröffentlichen zu können.

Die Forscher nutzen bei der Behandlung die vor rund zwei Jahrzehnten etablierte Methode der therapeutischen Hypothermie und kombinieren dieses Kältemanagement mit NaCl-Injektionen. Dem „New Scientist“-Beitrag zufolge testen die Ärzte das Verfahren an Patienten, die mit einer schweren Verletzung wie einer Schuss- oder Stichwunde eingeliefert werden und einen Herzstillstand haben. Voraussetzung für die experimentelle Behandlung ist, dass die Verletzten mehr als die Hälfte ihres Blutes verloren und nur noch eine Überlebenschance von weniger als fünf Prozent haben.

„Dass das Prinzip funktioniert, weiß man aus Tierversuchen“, sagte Professor Bernd Böttiger, Deutscher Rat für Wiederbelebung. An Menschen sei es seines Wissens noch nicht erprobt worden. Ob und wie gut das Verfahren funktioniere, sei daher erst mit bislang nicht zur Verfügung stehenden Ergebnisse abzuschätzen.

Schon vor Jahren hatte Böttiger erklärt, dass es künftig vielleicht möglich sein werde, schwer verletzte Patienten nach primärer Kühlung zunächst in Ruhe zu versorgen und erst danach das Herz-Kreislauf-System wieder hochzufahren.

Nach Angaben von Tisherman bleiben bei seinem Verfahren etwa zwei Stunden, um Verletzungen behandeln zu können. (dpa)

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