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Rezidivierende Harnwegsinfekte

Aktive Ansprache von Tabu-Themen ratsam

Eine Labordiagnostik ist bei rezidivierenden HWI unerlässlich. Zugleich sollten auch die Auswirkungen der Infektion auf die individuelle Lebensführung thematisiert werden.

Veröffentlicht:
Frauen mit rezidivierenden HWI sind auf eine wirkungsvolle Prophylaxe angewiesen (Symbolbild mit Fotomodell).

Frauen mit rezidivierenden HWI sind auf eine wirkungsvolle Prophylaxe angewiesen (Symbolbild mit Fotomodell).

© nenetus / stock.adobe.com

Die Diagnostik einer rezidivierenden HWI ist für den Urologen Nestler relativ einfach: „Wir schauen uns die Nieren an, schließen Steine und Resturin aus. Grundsätzlich erfolgt eine Antibiose immer erst nach Vorliegen des Ergebnisses aus einer Urinkultur. Das Antibiogramm abzuwarten ist zwar nicht allgemein üblich, aber bei uns Standard.“

Rezidivierende HWI

Hauptsächlich betroffene Patientengruppen

  • vor allem Frauen im gebärfähigen Alter oder in der Postmenopause
  • geriatrische Patienten
  • Kinder

Mögliche Ursachen

  • übertriebene Intimpflege
  • häufiger Geschlechtsverkehr

Auch in der Hausarzt- und Frauenarzt-Praxis sollten Teststreifen, Mikroskopie, Urinkultur und Antibiogramm direkt bei Erstkontakt Standard sein, darin waren sich Dr. Swaantje Schuppan, Allgemeinmedizinerin aus Darmstadt, und der Gynäkologe Dr. André-Robert Rotmann, Rodgau, einig. Im wiederholten Fall sind die Ursachensuche und gegebenenfalls die Überweisung zum Urologen wichtig.

Die Symptome einer akuten HWI wie Brennen beim Wasserlassen, häufiges Wasserlassen und Unterleibsschmerzen sind meist gut behandelbar. Chronische Symptome wie Unwohlsein, gesteigerte Empfindlichkeit beim Wasserlassen, Blasenkrämpfe und unspezifische Unterleibsbeschwerden sind jedoch gefürchtet, denn sie können zu Vermeidungsverhalten, Ängsten und nicht zuletzt auch zu Beziehungsproblemen führen. Patientinnen meiden aus Angst vor Verkühlung das Schwimmbad, verzichten auf sexuellen Verkehr oder vermeiden Orte ohne Toiletten, so Schuppan. „Es gibt Patientinnen, die mehr als fünf Liter am Tag trinken, andere trinken wenig auf der Arbeit, nur um nicht auf die Toilette gehen zu müssen!“ Die Einschränkungen beeinflussen somit den (Berufs-)Alltag und die Partnerschaft negativ. Besonders das Thema Sexualität ist mit Scham behaftet und nicht selten ein Tabuthema, so Schuppan. Vielfach finden die Patientinnen nicht ausreichend Gehör. „Über diese chronischen psychischen Symptome wird oft nicht geredet,“ so Schuppan. Sie appellierte daher, sensibel gegenüber diesen Patientinnen zu sein und sich etwas mehr Zeit für sie zu nehmen. „Es ist das persönliche Abwägen und das Gespür zu wissen, bei wem fünf Minuten völlig ausreichen und bei wem eine halbe Stunde gut investierte Zeit ist.“


Impressum


Expertengespräch

„Rezidivierende Harnwegsinfekte“

Wiesbaden 19.5.2022.

Diese Veranstaltung erfolgte in Kooperation mit Springer Medizin und Dermapharm.


Bericht: Dr. Henrike Ottenjann, München


Artikel gedruckt in: Ärzte Zeitung Nr. 53, 20. Juli 2022


Mit freundlicher Unterstützung der Dermapharm AG, Grünwald


Corporate Publishing (verantwortl. i. S. v. § 55 Abs. 2 RStV):

Ulrike Hafner, Tiergartenstraße 17, 69121 Heidelberg

Redaktion: Dr. Ulrike Maronde


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