Aktualisierte Schlaganfall-Leitlinie präzisiert Op-Indikation bei Karotisstenose

Veröffentlicht:

Etwa 200 000 Menschen in Deutschland erleiden nach Angaben der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe pro Jahr einen Schlaganfall. Etwa die Hälfte der Schlaganfälle ereignet sich in der Altersgruppe der über 75jährigen. Angesichts der resultierenden meist bleibenden körperlichen Behinderungen oder geistigen Beeinträchtigungen sind die Primär- und Sekundärprävention wesentliche Maßnahmen bei der Betreuung der Patienten.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Schlaganfallgesellschaft haben im vergangenen Jahr ihre gemeinsame Leitlinie "Primär- und Sekundärprävention der zerebralen Ischämie" aktualisiert (www.dgn.org).

Neu in puncto Primärprävention ist, daß bei Patienten mit asymptomatischer hochgradiger (> 60 Prozent) Karotisstenose eine Endarteriektomie empfohlen wird. In der Sekundärprävention ist diese bei Patienten mit symptomatischer Karotisstenose nur dann von Nutzen, wenn die Operation innerhalb von 14 Tagen nach dem initialen Ereignis erfolgt. Vor, während und nach der Op sollte die Prophylaxe mit Acetylsalicylsäure (ASS) fortgeführt werden.

Re-Insult-Risiko bestimmt Wahl des Thrombozytenfunktionshemmers

Bei der medikamentösen Sekundärprävention wird in der Leitlinie betont, daß die GP-IIb / IIIa-Antagonisten nicht wirksamer als ASS sind, aber ein erhöhtes Risikos für schwere Blutungskomplikationen mit sich bringen. Letzteres gilt auch für die Kombination Clopidogrel plus ASS, die sich zudem als nicht besser wirksam erwiesen hat als die Clopidogrel-Monotherapie.

Die Kombination ASS (75 mg) plus Clopidogrel (75 mg) ist allerdings weiterhin eine Option für Patienten mit Schlaganfall und akutem Koronarsyndrom. Sie sollten mit der Kombination über einen Zeitraum von drei Monaten behandelt werden.

Welcher Thrombozytenfunktionshemmer zur Prävention des Re-Insults im einzelnen angewandt werden sollte, richtet sich nach der Höhe des Re-Insult-Risikos: Für Patienten mit niedrigem Risiko von unter vier Prozent pro Jahr sind täglich 50 - 150 mg ASS (ggf. plus Protonenpumpenhemmer bei gastrointestinalen Beschwerden) die Therapie der Wahl.

Für die große Gruppe der Patienten mit hohem Rezidivrisiko (mindestens vier Prozent pro Jahr), die keine pAVK haben, wird die Therapie mit zweimal täglich 25 mg ASS in der fixen Kombination mit 200 mg retardiertem Dipyridamol empfohlen. Clopidogrel in der Tagesdosis von 75 mg wird für Patienten mit hohem Risiko und zusätzlicher pAVK empfohlen. Außerdem ist Clopidogrel eine Alternative für Patienten, die ASS nicht vertragen oder bei denen diese kontraindiziert ist. (mar)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Massiv erhöhter CA-19-9-Wert weckt falschen Krebsverdacht

Lesetipps
Ein Anwalt hält eine Gesetzessammlung in der Hand.

© Kzenon / stock.adobe.com

Prozesse werden teurer

Tipps: So können Praxen die Risiken für einen GOÄ-Streit minimieren

Eine Blutdruckmessung

© CasanoWa Stutio / stock.adobe.com

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Ab wann darf ich jüngere Menschen auf Kasse gegen Herpes zoster impfen?

© Porträt: privat | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Ab wann darf ich jüngere Menschen auf Kasse gegen Herpes zoster impfen?