Allgemeinmedizin - in Magdeburg fest etabliert

Was im Mai 2005 mit einer Stiftungsprofessur für Allgemeinmedizin an den Universitäten Magdeburg und Halle begann, hat seit April in Magdeburg dauerhaft Bestand: Mit einer unbefristeten Professur ist dort das Fach Allgemeinmedizin fest in die Ausbildung etabliert worden.

Von Petra Zieler Veröffentlicht:

MAGDEBURG. Vor fünf Jahren ist der Lehrstuhl auf Initiative von KV-Vorstand Dr. Burkhard John, Vorstand der KV Sachsen-Anhalt, als Stiftungsprofessur an den Universitäten in Magdeburg und Halle gegründet worden. Nach einer fünfjährigen Laufzeit wurde der Lehrstuhl im April in eine unbefristete Professur umgewandelt. Die bisherigen Lehrstuhl-Inhaber, Professor Markus Herrmann und Professor Thomas Lichte, leiten das Institut auch künftig gemeinsam. An der Hallenser Universität wurde zudem eine Sektion Allgemeinmedizin gegründet.

Von bundesweit 36 Universitäten oder Hochschulen mit medizinischen Fakultäten haben bislang nur acht einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin. Magdeburg gehört dazu. Professor Dr. Markus Herrmann: "Nach anfänglicher Zurückhaltung können wir heute sagen: Das wirkt sich positiv auf die Berufswahl aus. Das Interesse an der Allgemeinmedizin als berufliche Perspektive ist gestiegen." Nach einer Umfrage beurteilten vor den Praktika in Hausarztpraxen etwa 75 Prozent der Studenten die Allgemeinmedizin neutral bis ablehnend. Nach den Praktika zogen 39 von 154 Studenten (15 Prozent) die Berufswahl Hausarzt näher in Betracht. Bislang haben sich 30 Studierende für das Wahlfach Allgemeinmedizin entschieden und während des Praktischen Jahres in Hausarztpraxen Sachsen-Anhalts gearbeitet.

Dennoch sei das Problem Hausarztmangel nicht allein über Universitäten zu lösen, meint Thomas Lichte. "Als klassischer Landarzt, der seinen Beruf und die Arbeit nach wie vor toll findet, sehe ich natürlich auch Hürden im Praxisalltag.” Die begännen bei so lapidaren Dingen, wie dem Kassieren der Praxisgebühr, der reinen Ausgabe von Überweisungen und Rezepten, gingen über bürokratische Hürden und endeten noch längst nicht bei einer undifferenzierten Honorierung. "Für Studierende, die all dies während ihrer Praktika mitbekommen, sind das nicht gerade Anreize.”

Sie erlebten zudem, so Lichte, wie sich Hausarztpraxen zu Pseudopraxen entwickeln und lernen, dass es "lohnender" ist, möglichst viele chronisch Kranke zu behandeln als präventiv zu arbeiten. Die Pauschalisierung von Leistungen helfe nach Ansicht von Markus Herrmann am ehesten großen Praxen mit vielen "Fällen", die sich allerdings oft weniger Zeit nehmen für Patienten und deren Funktion sich zunehmend auf die Koordination beschränkt. In diesem Zusammenhang hielten immer mehr neue Gesundheitsberufe Einzug in die Primärversorgung.

Dazu zählten auch arztentlastende Modelle wie "Schwester Agnes" oder Angebote in der geriatrischen- oder palliativen Betreuung. Das führe zu einer Deprofessionalisierung des Berufs. Herrmann: "Bleibt die Hausarztmedizin mit ihren vielschichtigen, auch psychosozialen Kompetenzen, nicht interessant, läuft sie Gefahr, früher oder später ersetzt zu werden. Die Allgemeinmedizin muss die wichtigste Versorgungsebene bleiben.” Entscheidend dafür seien "berechenbare” Honorare und eine auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnittene Honorarverteilung. "Studienabsolventen”, sagt Herrmann, "wollen gar nicht so sehr viel mehr verdienen.” So begründeten Ärzte, die ins Ausland gehen, ihren Schritt oft mit einer guten Arbeit am Patienten. Sie vermissen in Deutschland zudem Wertschätzung sowie ein familienfreundliches Berufsleben.

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