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Alternative Krebstherapien systematisch erforscht

US-Forscher sammeln in Substanz-Bibliotheken alles, was an Unerforschtem auf der Erde wächst oder im Meer lebt - und prüfen es etwa zur Krebstherapie.

Von Beate Grübler Veröffentlicht:
Stoffe für potenzielle alternative Krebstherapien werden systematisch erforscht.

Stoffe für potenzielle alternative Krebstherapien werden systematisch erforscht.

© Foto: pcr6 www.fotolia.de

In den USA werden jährlich über 120 Millionen US-Dollar in die Erforschung alternativer Krebstherapien investiert. So fördert das staatliche Krebsforschungsinstitut NCI derzeit 461 Projekte zur Komplementärmedizin, von denen einige ausschließlich auf positive Erfahrungen von Krebspatienten mit der jeweiligen Methode zurückgehen. Das "NCI Best Case Series Program" ist vermutlich die einzige staatlich finanzierte Datenbank, die systematisch Fallbeschreibungen zur Wirksamkeit alternativer Krebstherapien sammelt. Sämtliche Berichte und die zugehörigen Dokumente wie Bildgebung und Histologie werden unvoreingenommen gesichtet, wie Professor Farah Zia vom Office of Cancer Complementary and Alternative Medicine (OCCAM) beim Welt-Krebs-Kongress in Genf berichtet hat.

Ergeben sich Anhaltspunkte für eine Wirksamkeit, wird das alternative Verfahren in einer prospektiven Studie untersucht. Auf dem Prüfstand stehen derzeit drei Konzepte: ein nach dem indischen Arzt Banerji benannter homöopathischer Ansatz, die Insulin-potenzierende Therapie und die makrobiotische Diät nach Kushi. Es sei allerdings schwierig, kooperationswillige Forschungsinstitute zu finden, so Zia.

Anders ist das bei der Analyse von Heilpflanzen, die bereits in der Ethnomedizin als Arzneistoffe angewendet werden. Nach Einschätzung der WHO hat jedes vierte Medikament einen pflanzlichen Ursprung. So wurden Taxane ursprünglich aus der Eibe gewonnen und Vinca-Alkaloide aus dem Madagaskar-Immergrün. Auch Meerestiere sind potenzielle Lieferanten für neue Krebsmedikamente. In Substanz-Bibliotheken sammelt das NCI alles, was an bislang Unerforschtem auf der Erde wächst oder im Meer lebt.

Bereits über 200 000 Pflanzenextrakte sowie eine größere Menge an eingefrorenen Meeresorganismen lagern streng gesichert in einer Militärbasis und werden auf Anfrage an Forschungsinstitute weitergeben. Ein Material-Transfer-Abkommen stellt sicher, dass auch jene Staaten von der Ressourcenforschung profitieren, die das Ursprungsmaterial zur Verfügung gestellt haben. Vieles davon stammt aus Ländern, die wirtschaftlich ohnehin zu kämpfen haben und nun auch noch die Ausbeutung ihrer Heilpflanzen-Vorräte befürchten.

Die vielen Vertreter aus Schwellen- und Entwicklungsländern beim Welt-Krebs-Kongress machten aber auch noch andere Bedenken geltend: Manche Pflanzen scheinen nur dann heilsam zu wirken, wenn sie in ihrer natürlichen Umgebung angebaut und traditionell aufbereitet werden. Wer am Procedere etwas ändert oder gar nur Extrakte verwendet, verschenkt womöglich nutzbringende Wirkungen. Als Beispiel wurde Ginseng angeführt, der in Studien zur Linderung von Fatigue geprüft wurde und dessen Wirksamkeit offenbar stark von der Produktqualität der Pflanzen abhängt.

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