Direkt zum Inhaltsbereich

Pneumologie

Ambulante Reha – Welche Wege gibt es für Deutschland?

Durch den demografischen Wandel steigt der Bedarf an Rehabilitationsmaßnahmen, auch in der Pneumologie. Ein Lösungsansatz könnte die ambulante Reha sein.

Von Dr. Marc Spielmanns Veröffentlicht:

Aktuell gibt es in Deutschland etwa 237 Rehabilitationskliniken, die eine pneumologische Rehabilitation anbieten. Diese nahezu ausschließlich im stationären Bereich.

Aufgrund der demografischen Entwicklung ist allerdings gemäß dem Statistischen Bundesamt mit einer deutlichen Zunahme der Altersgruppe zu rechnen, welche eine Rehabilitationsleistung in absehbarer Zukunft in Anspruch nehmen wird. Dies spiegelt sich auch im Reha-Bericht der Deutschen Rentenversicherung wider, welcher ebenfalls eine Zunahme der Anträge auf eine medizinische Rehabilitation zeigt. Waren es im Jahr 2005 noch ca. 1,2 Mio. Anträge, sind es im Jahr 2014 bereits über 1,6 Mio. Anträge gewesen. Entsprechend ist die Anzahl der Bewilligungen und letztendlich durchgeführten Leistungen ebenfalls angestiegen.

Pneumologische Erkrankungen gehören innerhalb der Inneren Medizin zu den häufigsten Krankheiten. Große Volkskrankheiten wie Asthma und COPD sind oft der Grund zur Beantragung einer Rehabilitationsmaßnahme. Dennoch ist der Anteil an stationärer medizinischer Rehabilitation im pneumologischen Bereich unter 5 % der Gesamtzahl der durchgeführten Rehabilitationen in Deutschland.

Die häufigsten Krankheitsbilder stellen muskulo-skelettale Erkrankungen, sowie Erkrankungen bei psychischen Störungen und Neubildungen dar. Herz-Kreislauferkrankungen haben einen Anteil von 7 bis 9 %.

Gemäß der Statistik der Deutschen Rentenversicherung liegt der Anteil der pneumologischen Fachabteilungen der stationären Reha-Einrichtungen unter 3 %. In der Summe zeigt sich, dass das Angebot für stationäre pneumologische Reha zu gering ist.

Im europäischen Ausland findet pneumologische Rehabilitation überwiegend im ambulanten Sektor statt. Auch für Deutschland könnte die ambulante Rehabilitation ein Lösungsansatz für diese Problematik darstellen. Allerdings sind die Rahmenempfehlungen zur ambulanten pneumologischen Rehabilitation der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (2008) mit großen Auflagen behaftet. Unter anderem ist dies ein Grund, warum aktuell in Deutschland nur 2 reine ambulante Rehabilitationen zugelassen sind. An einigen Rehabilitationskliniken befinden sich allerdings ambulante Zentren, die die lokale Versorgung im pneumologischen Bereich gewährleisten.

Wünschenswert und sinnvoll wäre hier, in den Ballungszentren für ausreichende Kapazitäten zu sorgen. Ob die Rahmenempfehlungen überarbeitet werden können, um hier den Zugang zur ambulanten Rehabilitation bzw. Einrichtung neuer Lokalitäten zu erleichtern, muss diskutiert werden. Natürlich sollte hierdurch kein Qualitätsverlust der pneumologischen Rehabilitation auftreten. Es zeigt sich aber, dass auch im stationären Bereich pneumologische Rehabilitation mit unterschiedlichen Qualitäten stattfindet. Hier sind die Kostenträger gefordert, die Qualitäten entsprechend in den Reha-Kliniken einzufordern und die vorhandenen Rahmenempfehlungen auch für den stationären Bereich zu realisieren.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist für die COPD zu sagen, dass eine Gleichwertigkeit zwischen stationärer und ambulanter Rehabilitation bezüglich der Ergebnisqualität besteht. In einem aktuellen systematischen Review mit Metaanalyse wurde gezeigt, dass Rehabilitation auf häuslicher Basis oder im ambulanten Bereich gegenüber keiner Rehabilitation deutlich überlegen ist. Im Vergleich zwischen ambulanter Rehabilitation oder Rehabilitation in der häuslichen Umgebung scheinen die Unterschiede eher marginal. Es lässt sich also sagen, dass wahrscheinlich auch im häuslichen Bereich eine effektive ambulante Rehabilitation durchgeführt werden kann. Hier könnten neue Therapieformen, welche z. B. ein Telemonitoring nutzen, durchaus hilfreich sein. Hierzu gibt es neue interessante Studien, die eine Verknüpfung zwischen einem häuslichen Training und einem Telemonitoring zum Thema hatten. Im Vortrag soll auf den aktuellen Stand eingegangen werden.

Dieser Beitrag von Dr. Marc Spielmanns, Medizinische Klinik und Ambulante Pneumologische Rehabilitation in Leverkusen, ist bereits in der DGP-Kongress-Ausgabe vom 23. März 2017 erschienen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Metaanalyse

Atemwegsviren auch bei nichtakutem Asthma häufig nachweisbar

Von ungefährlich bis akut lebensbedrohlich

Leitsymptom Dyspnoe: So geht’s rasch zur richtigen Diagnose

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

© Springer Medizin Verlag

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Update 2026

S3-Leitlinie Lungenkrebs: Das sind die wichtigsten Änderungen

Frage an die Ethiker

Darf der Intimbereich beim Hautkrebs-Screening ausgelassen werden?

Lesetipps
Ein junger Mann liegt im Herz-CT und bekommt gleichzeitig ein EGK geschrieben.

© Svitlana / stock.adobe.com

Plaques bewerten

Screening mittels Koronar-CT: Was das bringen könnte

Ein Körper, der an mehreren Stellen schmerzt.

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

HICP-Prävalenz untersucht

So verbreitet sind chronische Schmerzen in Deutschland