KHK / Herzinfarkt

Angioplastie für alte Infarkt-Patienten am besten

BARCELONA (ner). Alte Menschen sollten nach einem Herzinfarkt möglichst mit Ballonangioplastie und Stent-Implantation versorgt werden. Die Einjahresüberlebenschance ist dann doppelt so groß wie nach einer Thrombolyse. Das hat eine britische Studie ergeben.

Veröffentlicht: 05.09.2006, 08:00 Uhr

Demnach starben nach Thrombolyse 38 Prozent der Patienten über 75 Jahre innerhalb eines Jahres, dagegen nur 19 Prozent derjenigen, die eine Angioplastie erhalten hatten. Dies entspreche einer etwa 50prozentigen relativen Risikoreduktion, berichtete Dr. Kenneth Morgan vom Hammersmith Hospital in Lancaster beim Welt-Kardiologen-Kongreß der ESC in Barcelona.

Morgan und seine Kollegen hatten konsekutiv 400 Patienten mit Myokardinfarkt in die Studie eingeschlossen. Die ersten 200 erhielten eine medikamentöse Thrombolyse, alle anderen eine primäre Angioplastie innerhalb von 90 Minuten nach Auftreten der Beschwerden. 95 Prozent der Angioplastie-Patienten hatten einen Stent erhalten.

    Thrombolyse öffnet nur 50 Prozent der Gefäße.
   

Zwar sei der Effekt nicht so ausgeprägt wie bei den Patienten unter 75 Jahren, sagte Morgan. Bei denen betrugen die Einjahres-Mortalitätsraten 9,8 Prozent (Thrombolyse) und 1,3 Prozent (Angioplastie). Dies liege jedoch daran, daß bei alten Menschen häufiger kardiogene Schocks vorkommen sowie die wichtige linke Herzkranz-Hauptarterie häufiger verschlossen ist.

Obwohl bekannt ist, daß die primäre Angioplastie mit verbesserten Überlebensraten, verminderten Schlaganfallraten und weniger Re-Interventionen im Krankheitsverlauf einhergeht, gebe es nach wie vor Unsicherheiten bei der Behandlung alter Herzinfarkt-Patienten.

Denn diese Altersgruppe werde oft nicht in klinische Studien eingeschlossen, sagte Morgan. Er betonte, daß durchschnittlich nur 50 Prozent der verschlossenen Herzkranzgefäße per Thrombolyse komplett eröffnet werden könnten. Zudem sei die Thrombolyse nicht für alle Patienten geeignet. Die vorliegende Studie bestätige nun, daß auch für alte Patienten die primäre perkutane Koronar-Angioplastie die Therapie der Wahl sei.

Mehr zum Thema

Autoimmunthyreoiditis

Kranke Schilddrüse wirkt auf ganzen Körper

Young Investigator Award

Neue Konzepte zur Diagnostik und Therapie bei KHK

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Keine Lust aufs Essen? Übelkeit und Geschmacksverlust deuten bei Kindern eher auf COVID-19 als Atemwegssymptome.

Corona-Splitter

Die COVID-19-Symptome bei Kindern

Die Apothekenreform ist in trockenen Tüchern, die ABDA lobt sie als Beitrag zu einer „zukunftsfähigen Arzneimittelversorgung“.

Gesetzgebung

Bundesrat winkt Apothekenreform durch

Gesundheitsminister Spahn während der Debatte zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Pflege im Bundestag. Die Reaktionen sind zwiespältig.

„Beitragstöpfe geplündert“

Kritik an Spahns Versorgungsgesetz hält an