Kognitive Beeinträchtigungen
Angst und Depressionen können auf kognitive Beeinträchtigungen hinweisen
Berichten Patientinnen oder Patienten in der Sprechstunde von Depressionen oder Angstzuständen, kann es sich für Kolleginnen und Kollegen lohnen, auch an Mild Cognitive Impairment (MCI) zu denken. Das wurde beim DEGAM-Kongress in Göttingen deutlich.
Veröffentlicht:
Arzt- Patienten-Gespräch: Angst und Schlafbeeinträchtigungen können mit MCI korreliert sein. Aber was ist Ursache und was Wirkung?
© WavebreakmediaMicro / stock.adobe.com
Göttingen. Bei Patientinnen und Patienten, die ängstlich sind oder eine Depression haben, kann es sich für Kolleginnen und Kollegen lohnen, auch an die Möglichkeit einer milden kognitiven Einschränkung (englisch mild cognitive impairment, MCI) sowie deren physiologische Ursachen zu denken. Darauf wies Dr. Robert Pohl von der medizinischen Fakultät der Universität Marburg beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) in Göttingen hin.
Pohl stellte beim Kongress Daten der kleinen Mittel-Elbe-Kohorte vor, die in einer Querschnittsanalyse auf Basis von Patientenangaben aus Fragebögen (englisch Patient-Reported Outcome Measures, PROM) erhoben worden waren. Bei den 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stellte sich heraus, dass neuropsychiatrische Symptome bei Patientinnen und Patienten mit MCI deutlich häufiger auftraten als bei kognitiv unauffälligen Menschen.
Knapp jeder Dritte mit MCI hat eine Depression
Besonders Depressionen träten bei Patientinnen und Patienten mit MCI gehäuft auf. Metaanalysen zum Thema zufolge, erläuterte Pohl, litte knapp jeder dritte Patient mit MCI an Depressionen.
In der von Pohl präsentierten Mittel-Elbe-Kohorte gab es bei Depressivität einen Normmittelwert von 50, also den statistischen Referenz- oder Durchschnittswert eines standardisierten Patientenfragebogens, der in einer gesunden oder repräsentativen Allgemeinbevölkerung erhoben wurde. Ein Wert von 50 bedeutet in der Auswertung eines Patientenfragebogens also, dass ein abgefragter Punkt exakt durchschnittlich häufig vorkommt.
Kompakt informiert
DEGAM-Kongress: Unsere Beiträge im Überblick
Unter den Patientinnen und Patienten mit MCI berichteten 48,5 von Depressionen versus 45,8 der Patienten ohne MCI. Bei Angst betrugen die Werte 51,4 bei den Patienten mit MCI versus 47,5 ohne MCI, bei Schlafbeeinträchtigungen 53,0 versus 50,8 und bei Fatigue 45,6 versus 44,6.
Prädiktor für kognitiven Abbau
Bei Angst und Schlafbeeinträchtigungen liegen die Werte der Fragebögen der Patienten mit MCI damit also über dem Normmittelwert. Bei Angst und Depressivität ist der Unterschied signifikant, bei Schlafbeeinträchtigungen und Fatigue jedoch nicht.
Aus Längsschnittstudien sei bekannt, dass Angst ein bekannter Prädikator für kognitiven Abbau und Demenz darstelle. Zusätzlich das Demenzrisiko erhöhen würden Schlafstörungen. Natürlich sei aber zu bedenken, ordnete Pohl ein, dass nicht geklärt sei, ob MCI oder stattdessen die neurologischen Beeinträchtigungen zuerst aufgetreten seien.










