Frankfurter Lassa-Fall

Ansteckung wohl über Leiche

Ärzte der Frankfurter Uniklinik behandeln einen Lassa-Patienten, der sich sehr wahrscheinlich durch den Kontakt mit dem Leichnam des Kölner Infizierten angesteckt hat. Es ist offenbar der erste Fall einer Übertragung von Mensch zu Mensch außerhalb Westafrikas.

Von Anne BäurleAnne Bäurle Veröffentlicht:
Lassa-Virus: Erstmals ist es außerhalb der Endemiegebiete zu einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung gekommen.

Lassa-Virus: Erstmals ist es außerhalb der Endemiegebiete zu einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung gekommen.

© World History Archive / dpa

FRANKFURT/MAIN. Am Mittwochmorgen ist ein Patient mit bestätigter Lassa-Infektion in das Uniklinikum Frankfurt eingeliefert worden. Derzeit wird er auf der Isolierstation der Klinik behandelt.

Der Patient hatte bei seiner Einlieferung alle Zeichen einer schweren Lassa-Virus-Infektion, benötigt derzeit aber keine intensivmedizinische Betreuung, sagte der behandelnde Arzt, Dr. Timo Wolf, bei einer Pressekonferenz der Uniklinik Frankfurt.

"Wir sind vorsichtig optimistisch, allerdings ist der Patient in einem frühen Stadium der Infektion, der Zustand kann sich in den ersten 14 Tagen noch ändern", erklärte Wolf.

Auf welchem Weg sich der Patient angesteckt hat, dazu wollte sich die Klinik nicht äußern. Sehr wahrscheinlich hat sich der Patient aber bei dem kürzlich in Köln gestorbenen US-Amerikaner infiziert.

Wohl am Leichnam infiziert

Die dpa gemeldete, bei dem Frankfurter Patienten handele es sich um einen Bestatter aus Alzey in Rheinland-Pfalz, der die Leiche des in Köln gestorbenen US-Amerikaners für eine Überführung vorbereiten sollte.

Der Leichnam des im Togo als Krankenpfleger arbeitenden Amerikaners sei am 3. März in einem Spezialcontainer nach Alzey gebracht worden, wo er für den Weitertransport nach Togo konserviert werden sollte.

Erst sechs Tage später, am 9. März, habe sich herausgestellt, dass der Mann am Lassa-Fieber erkrankt war.

Obwohl das Lassa-Virus deutlich weniger ansteckend ist als das Ebola-Virus, hat sich der Frankfurter Patient offenbar bei dem US-Amerikaner infiziert.

Auf welchem Weg ist unklar. Am 15. März wurde er positiv auf das Lassa-Virus getestet.

Grippe-Symptome bei Familienangehörigen

"Ein Hautkontakt reicht nicht aus", so Professor René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamtes Frankfurt.

Auch über die Atemwege könne das Virus nicht übertragen werden. "Aber die Bindehaut des Auges ist beispielsweise ein sehr guter Aufnahmeort für Viren - oder wenn man oral etwas aufnimmt, das könnte ein Infektionsweg sein."

Auch eine Virusübertragung über den Kontakt mit dem Blut des Gestorbenen sei möglich. "Es ist der erste Fall einer Übertragung des Lassa-Virus von Mensch zu Mensch außerhalb der Endemiegebiete in Westafrika", sagte Gottschalk.

Die Familie des Patienten wurde ebenfalls in das Uniklinikum Frankfurt eingeliefert. Einige Familienmitglieder haben offenbar Grippesymptome, die auch auf eine Lassa-Infektion hinweisen könnten.

"Allerdings muss man bedenken, dass wir gerade Grippe-Hochsaison haben, es kann sich also auch um eine normale Grippeerkrankung handeln", sagte der behandelnde Arzt Dr. Wolf.

Für die Klinik ist die Aufnahme des Lassa-Infizierten eine Herausforderung: Rund 30 Mitarbeiter seien pro Tag allein für den Lassa-Patienten zuständig, so der Pflegeleiter der Isolierstation Peter Fleckenstein.

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