Magen-Darminfekte

Antikörper-Raub rettet EHEC-Patienten

Die EHEC-Epidemie hat allein in Deutschland über 800 Menschen schwer getroffen: Sie erkrankten an einem HUS, viele mit schweren neurologisch Komplikationen. Ärzte aus Greifswald setzten auf eine neue Notfalltherapie - mit Erfolg.

Veröffentlicht: 08.09.2011, 15:14 Uhr

GREIFSWALD/HANNOVER (eb/nös). Auf dem Höhepunkt der EHEC-Krise Anfang Juni haben Ärzte aus Greifswald und Hannover mit einer neuen Therapie Fortschritte bei Patienten mit schweren Verläufen der HUS-Erkrankung erzielt.

Etwa die Hälfte der EHEC-Patienten mit HUS (hämolytisch-urämischem Syndrom) hatte neurologische Symptome. Typische Störungen waren Delir, Halluzinationen, Panikattacken, bis hin zu schweren Symptomen wie Myoklonien, Aphasie, Parese und Koma.

Neurologische Symptome traten eine Woche nach den ersten Diarrhoen auf

Weder auf die Standardtherapie Plasmapherese noch auf den Antikörper Eculizumab (Soliris®) sprachen die zwölf Patienten an, von denen Professor Andreas Greinacher von der Uniklinik Greifswald und Privatdozent Jan T. Kielstein von der MH Hannover berichten (Lancet 2011; online 5. September).

Die neurologischen Symptome traten im Schnitt rund eine Woche nach den ersten Diarrhoen auf. Greinacher vermutet daher die Beteiligung von Autoantikörpern, und dass unter anderem IgG-Antikörper für das Krankheitsgeschehen wichtig sind. Sie könnten womöglich an das von EHEC gebildete Shiga Toxin 2 binden und somit dessen Aktivität erhöhen.

Alle Patienten überlebten

Greinacher entschied sich für die Immunodepletion, eine spezielle Form der Plasmapherese, bei der vorwiegend IgG gefiltert wird - quasi ein Antikörper-Raub. Alle Patienten überlebten, zehn hatten keine neurologischen Symptome mehr, und alle Patienten seien trotz zeitweisen Nierenversagens nicht mehr auf Dialyse angewiesen, so die Ärzte.

Die Ärzte hatten während der Therapie - meist kamen zwei Zyklen zum Einsatz - die neurologischen Ausfälle anhand eines Scores zusammengerechnet: Je höher er war, desto gravierender waren die Störungen.

"Erfolg war unmittelbar spürbar"

Im Mittel lag der Score vor Therapie bei 3,2 Score-Punkten, drei Tage danach bei 1,0 Score-Punkten. "Der Erfolg war unmittelbar spürbar", erläutert der Nephrologe Kielstein.

Obwohl der genaue Mechanismus der Immunadsorption bei EHEC-Komplikationen noch weiter untersucht werden müsse, eröffneten die Erkenntnisse aus der Studie einen neuen Blickwinkel auf die Pathogenese, betont Greinacher.

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