Antikonvulsivum vertreibt die Angst

BERLIN (ugr). Seit kurzem gibt es mit Pregabalin eine neue Therapie-Option bei generalisierten Angststörungen. Die sexuelle Funktion wird damit nicht beeinträchtigt, und das Präparat wirkt kaum sedierend. In Studien sprachen die meisten Patienten auf die Therapie an.

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Nur bei jedem dritten Patienten mit einer generalisierten Angststörung (GAD) wird die Krankheit auch erkannt, und es wird eine Therapie begonnen. Allerdings sind die bisher zur Verfügung stehenden Medikamente für viele Patienten mit GAD unbefriedigend. Darauf hat Professor Hans-Jürgen Möller aus München beim Psychiatrie-Kongreß in Berlin hingewiesen.

So seien moderne Antidepressiva wie Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) Mittel der Wahl bei GAD. Sie wirken jedoch in der Regel erst nach der zweiten Woche. "Mitunter kommt es zu Therapiebeginn sogar zu einer vorübergehenden Angstzunahme", sagte Möller bei einem Symposium von Pfizer.

Außer über unerwünschte gastrointestinale Wirkungen würden zudem bis zu 80 Prozent der Patienten mit SSRI über sexuelle Dysfunktionen berichten. Benzodiazepine wirken zwar rasch, sedieren aber und könnten bei einem Teil der Patienten Gewöhnung und Abhängigkeit auslösen, so Möller.

Eine neue Option ist Pregabalin (Lyrica®): Es wurde vor kurzem zur Therapie bei GAD zugelassen und zeichnet sich durch einen ebenso raschen Wirkeintritt wie Benzodiazepine aus, jedoch ist die Sedierung wesentlich geringer. Auch komme es weder zu einer initialen Angstzunahme noch zu Störungen der sexuellen Funktion, so Möller.

Häufigste unerwünschte Wirkungen bei Pregabalin waren vor allem zu Therapiebeginn Benommenheit und Schläfrigkeit. Bei Reduzierung der Dosis verliefen diese jedoch deutlich milder, sagte Möller. In kontrollierten Studien über vier bis acht Wochen sei die Wirksamkeit gut belegt worden.

So sprachen 52 Prozent der mit Pregabalin behandelten Patienten auf die Therapie an. Ansprechen wurde definiert als eine 50prozentige Reduktion des Punktwerts auf der Hamilton-Angst-Skala.



STICHWORT

Generalisierte Angststörung

Die generalisierte Angststörung (GAD) ist die häufigste Angsterkrankung. Das Lebenszeitrisiko daran zu erkranken, liegt bei 8 Prozent, die Punktprävalenz bei 1,6 Prozent. Häufigste Symptome sind übermäßige Besorgtheit, Reizbarkeit und Ruhelosigkeit, die über mindestens sechs Monate anhalten. Körperlichen Beschwerden wie Zittern, Herzrasen, Schwindel, Muskelverspannungen, oder Konzentrationsstörungen können ebenfalls auf eine GAD deuten.

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