Zwillingsstudie zeigt

Auch Gene schuld am Kreuzweh

Rückenschmerzen kennt fast jeder, bei vielen sind sie chronisch. Bei der Suche nach den Ursachen zeigt sich jetzt: Auch die Gene spielen eine Rolle.

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Zu langes Sitzen ist Gift für den Rücken.

Zu langes Sitzen ist Gift für den Rücken.

© Janina Dierks/fotolia.com

SYDNEY / AUSTRALIEN. Wenn es dauerhaft zwickt und zwackt im unteren Rücken, hat das zum Teil mit dem Lebensstil zu tun, zum Teil allerdings auch mit den Genen, wie eine australische Erhebung jetzt nahelegt.

Daniela Junqueira von der Universität in Sydney und ihre Kollegen hatten 105 mono- und dizygote Zwillingspaare aus der Australian Twin Low Back Pain (AUTBACK)-Studie zu verschiedenen Lebensstil-Faktoren wie körperliche Aktivität, Gewicht, Rauchen und Alkoholkonsum befragt und zudem einen Blick auf die Erblichkeit der Beschwerden geworfen (Eur J Pain 2014; online 14. April).

Von den 210 Teilnehmern mit einem Durchschnittsalter von 39,6 Jahren litt mehr als die Hälfte (55 Prozent) an chronischen Kreuzschmerzen (LBP).

Gab ein Zwilling chronische Kreuzschmerzen an, hatte meist auch der zweite Beschwerden im unteren Rücken (n = 67 Zwillingspaare), wobei die Wahrscheinlichkeit, dass beide Zwillingspartner gleichermaßen geplagt sind, bei monozygoten Zwillingen fünfmal so hoch war wie bei dizygoten.

Laut Berechnung der Studienautoren lag die Heritabilität demnach bei 32 Prozent.

Maß an körperlicher Betätigung spielt ebenfalls eine Rolle

Zusätzlich zu den Genen begünstigten bestimmte Lebensstilfaktoren die Beschwerden, wie die Auswertung der 38 Zwillingspaare bestätigte, von denen nur jeweils ein Zwilling unter chronischen Kreuzschmerzen litt.

Langes Sitzen (fünf Stunden pro Tag und mehr) und wenig Bewegung standen ebenso mit dem Rückenleiden im Zusammenhang wie sehr intensive körperliche Belastung, dazu zählten schwere Gartenarbeit oder Handwerken rund ums Haus.

Eine Signifikanz ließ sich allerdings nur für Garten- und Bauarbeiten nachweisen (OR 6,5; 95%-KI 1,47-28,8). Das Geschlecht der Probanden wiederum war für die Prävalenz unerheblich.

Für Daniela Junqueira und ihr Team steht fest, dass chronische Kreuzschmerzen bei Frauen und Männern gleichermaßen zu einem gewissen Teil genetisch begünstigt sind. Dabei sei der genetische Einfluss etwa vergleichbar mit dem bei Autismus (36 Prozent), Drogenabhängigkeit (55 Prozent) und Depressionen (42 Prozent), betont Junqueira.

Entscheidend sei aber auch das richtige Maß an körperlicher Betätigung, resümieren die Studienautoren und verweisen auf den U-förmigen Zusammenhang.

Zu wenig körperliche Betätigung scheint dem unteren Rücken ebenso zu schaden wie ein Zuviel, was in dieser australischen Untersuchung als schwere körperliche Arbeit und sehr intensiver Sport definiert war. Nach dem richtigen Maß müsse nun in kommenden Studien gefahndet werden. (DK)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Vererbter Schmerz?

Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Wolfgang Ebinger

Konsequenzen

Wenn es sogar einen gen-bedingten Kreuzschmerz gibt, wie die Studie zeigt, ist es umso wichtiger, vor allem für diese Gruppe der Erkrankten die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass der Veranlagung zum Kreuzschmerz entgegengewirkt wird. Dazu müssten vor allem die Eigeninitiative für Präventionsmaßnahmen viel stärker in den Fokus gerückt werden.
Das Großstädter-Problem wird wohl mehrheitlich das übermäßig lange Sitzen am Schreibtisch sein, weshalb ich zur Förderung der Steh-Sitz-Dynamik im Büro auf den sog. "DESK-DESK" hinweisen möchte. Mir hilft dieses Utensil nachhaltig zur Linderung meines Kreuzschmerzes, da ich positiv genötigt bin, während der Büroarbeit immer wieder unregelmäßig aufzustehen.
Wer mehr wissen will: www.desk-desk.de


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